Seit 60 Jahren gehen die Moerser in die Vollen

Von 1964 an spielten Winfried Severin und die „Handwerksburschen“ viele Jahre am Nikolaustag um diesen Wanderpokal.
Von 1964 an spielten Winfried Severin und die „Handwerksburschen“ viele Jahre am Nikolaustag um diesen Wanderpokal.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Winfried Severin und der Kegelclub „Handwerksburschen“ frönen seit 1955 ihrer Leidenschaft. Das Gründungsmitglied greift auch mit 80 noch zur Kugel.

Moers..  Denkt Winfried Severin an den Winter 1954/55, verwandelt sich sein Blick in ein Lächeln. Damals, vor 60 Jahren, nahm eine Geschichte ihren Anfang, die noch lange nicht zu Ende geschrieben ist. Wenige Tage vor Weihnachten 1954 kamen acht junge Männer auf ein Bier zusammen. Die Laune stieg, die Pegel in den Gläsern sanken und die vier beschlossen, einen Kegelclub ins Leben zu rufen.

Wenige Tage später, am 10. Januar 1955, trafen sich gleich 18 junge Kegelrecken und gründeten in der Gaststätte „Zum Schloßpark“ die „Handwerksburschen“. „Wir hatten damals riesen Glück, dass wir eine Bahn ergattern konnten. Kegeln war groß in Mode und praktisch alle Bahnzeiten vergriffen“, erklärt Winfried Severin. Darum musste auch mit dem Montag als Kegeltag Vorlieb genommen werden. Für die Männer nicht ganz optimal, denn für die meisten ging es am nächsten Tag früh zur Arbeit. Die Abende endeten zeitig. Für Winfried Severin nicht die einzige „Kröte“, die er zum Start in sein neues Hobby schlucken musste. Auch mit dem Namen „Handwerksburschen“ musste er sich erst anfreunden. „Ich hatte Kaufmann gelernt, war also gar kein Handwerker. Aber als die Idee aufkam, den Namen in Anführungszeichen zu setzen und ihn damit nicht ganz wörtlich zu nehmen, konnte ich damit leben“, erinnert sich der heute 80-Jährige.

Über viele Jahre trafen sich die „Handwerksburschen“ jeden Montag bei Wirt Heinz Leyendecker. Und, da ist sich Präses „Winni“ Severin sicher, so schön wie in der Anfangszeit, sei es nie mehr gewesen. „Alle haben sich auf jeden Kegelabend riesig gefreut. Alle wollten den neuen Sport erlernen.“ Der Ehrgeiz führte bald dazu, dass die Hobbykegler das Sportkegeln entdeckten und ihre Kugelkünste mit anderen Spielern messen wollten. Bis zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft schafften sie es sogar einmal.

Von Anfang an gehörte auch die alljährliche Kegel-Tour fest zum Terminkalender der „Handwerksburschen“. Anfangs ging es noch ins rheinland-pfälzische Braubach, später wurden die Reisen aber deutlich größer. Wochenfahrten nach Mallorca, eine Reise nach Kopenhagen und sogar bis nach Florida sind die Clubmitglieder schon gemeinsam gereist. Winni Severin musste gesundheitlich zuletzt passen, in diesem Jahr ist er aber wieder mit von der Partie. „Wir steigen aufs Schiff und fahren nach Kopenhagen, Oslo und Göteborg“, schwärmt er schon jetzt.

Dass es den Club nach 60 Jahren überhaupt noch gibt, verdankt die Gemeinschaft nicht zuletzt dem Zukunftssinn der Alteingesessenen. Schon früh erkannten sie, dass es von Zeit zu Zeit jungen Nachwuchs braucht und so stieß immer mal wieder ein Talent hinzu. Heute zählt der Club neun aktive Spieler im Alter zwischen 37 und 80 Jahren. Helmut Großi, Bernd Herz, Hansi Kessel, Uli Kiel, Björn Litzenberger, Peter Mehlig, Filippo Paglia, Valentin Mehlig und Präses Winfried Severin rollen die Kugel heute allerdings nur noch alle 14 Tage – und zwar freitags. Trotzdem: Für Winni Severin ist der Kegelabend noch immer ein Pflichttermin, in 60 Jahren hat er nur wenige verpasst. „Ich freue mich noch heute sehr auf die Treffen. Auch wenn ich sportlich mit den jüngeren nicht mehr mithalten kann, möchte ich diese Gemeinschaft nicht missen“, sagt er. Und sein Gesicht wird zu einem Lächeln.