Schüler und Senioren begegneten sich in Kamp-Lintfort

Gespräche zwischen Jung und Alt.
Gespräche zwischen Jung und Alt.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Neuntklässler der Hauptschule Diesterweg verbrachten eine Projekt-Woche im Caritas-Haus St. Hedwig und machten erstaunliche Entdeckungen.

Kamp-Lintfort..  Die jungen Leute hatten komische Vorstellungen vom Leben in einer Senioreneinrichtung: „Gibt es hier eine Sperrstunde?“ „Kannst Du hier schlafen, wann du möchtest?“ Das waren so Fragen, die die elf Neuntklässler der Hauptschule Diesterweg den Bewohnern des Caritas-Hauses St. Hedwig gestellt haben.

Eine Woche haben die Schüler freiwillig mit den alten Menschen verbracht. Eine Woche, an der sie unbedingt gewachsen sind, unabhängig davon, ob sie sich tatsächlich später für einen Pflegeberuf entscheiden, denn das war sicher auch ein Ziel dieser Projekttage mit dem Titel „Treffen der Generationen für einen Volltreffer im Beruf“.

„Eigentlich müsste jeder Dritte in der Pflege arbeiten“, weiß Fred Krusch, Einrichtungsleiter von St. Hedwig, mit Blick auf die demografische Entwicklung. Insofern kam er der Schule gerne entgegen bei dem Wunsch nach dieser besonderen Berufsorientierung, die so anders war als ein Praktikum. Und die, so hofft er auch, den jungen Leuten ein anderes Bild von Senioreneinrichtungen und der Pflege vermitteln konnte, als es gemeinhin besteht: „Die Menschen hier bestehen nicht nur aus Handicap und Pflegebedürftigkeit. Der Mensch als Ganzes muss gesehen werden.“

Manchmal gab es auch Tränen

Dazu hatten die Schüler ausgiebig Gelegenheit. Es war eher eine Woche der Begegnung zwischen den Generationen – angeleitet durch die Theaterpädagogin Petra Lemke und Mike Becker, einem Dozenten in der Altenpflegeausbildung. Erstaunliche Erkenntnisse traten für die jungen Menschen zutage: „Die haben hier ja sogar ein Wii und eine X-Box“, wunderte sich mancher. Interessant war es für die Neuntklässler auch, die Hilfsmittel auszuprobieren: einmal in den Lifter steigen, eine Runde Rollstuhl fahren. Überrascht zeigten sich die Schüler, dass auch durchaus junge Menschen in der Einrichtung wohnen. Sie spielten mit den Senioren Theater und machten den Gruppenraum bunt mit Bildern.

Und viel Zeit blieb zum Reden und zum Zuhören, für Gespräche. Manche lösten durchaus Emotionen aus: Ein Mädchen stellte gerührt bei einer Bewohnerin in St. Hedwig Ähnlichkeiten zu ihrer Oma fest, andere mussten weinen, wenn die alten Menschen vom Krieg oder Schicksalsschlägen erzählten. Und Sympathien entwickelten sich: „Ja, die Frau Schmitz ist voll süß“, verkündete ein Mädchen. Ein anderes stand gestern hinter einer Frau im Rollstuhl und massierte ihr liebevoll den Rücken. Auch „Frau Otto“ hatte ihre Fans – nicht nur wegen ihrer sprechenden Uhr, sondern wegen ihrer Aufgeschlossenheit. Auch für sie war diese Woche ein besonderes Erlebnis: „Ihr wart tolle Jugendliche“, lobte sie am Ende, selbst wenn sie das schöne Bild, das ihre Mädchen ihr gemalt haben, wegen ihrer Sehschwäche nur schemenhaft erkennen konnte. Die Hauptschüler zogen ebenfalls eine positive Bilanz: „Ja, das hat Spaß gemacht, wir haben viele neue Sachen kennengelernt“, hieß es. Carsten Hiller, kommissarischer Schulleiter der Diesterwegschule, lernte seine Neuntklässler von einer ganz neuen Seite kennen, manche gaben sich im Caritas-Haus mutiger und sicherer als sonst. Alle Beteiligten waren sich einig: Ein Projekt, das unbedingt wiederholt werden muss.