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Schrauben statt schreiben

07.07.2011 | 17:15 Uhr
Schrauben statt schreiben
Horst Tackenbert (56) repariert Räder in der Fahrradwerkstatt der Niederrheinschule in Kamp-Lintfort. Chantale (13) und Florian (12) assistieren ihm. Die Kinder lernen dabei u.a. den Umgang mit Werkzeug. Foto: Markus Joosten / WAZ FotoPool.

Kamp-Lintfort.In der Fahrradwerkstatt der Niederrheinschule werden Räder verkehrssicher gemacht und kleinere Reparaturen erledigt.

Christoph Olders lacht sich fast schlapp, als Horst Tackenberg ihn „Hast du den zu stramm aufgezogen?“ fragt: „Das habe ich ja noch nie gehört“, reagiert der Lehrer der Niederrheinschule amüsiert auf den Flachs.

Am Kompetenzzentrum für sozialpädagogischen Förderbedarf, so die Bezeichnung der Schule an der Friedrich-Heinrich-Allee 24, gibt es eine Fahrradwerkstatt. Wer dort arbeitet, nimmt zwar am Unterricht teil, aber schon in einer etwas anderen Atmosphäre als im üblichen Klassenraum. Und deswegen herrscht auch ein anderer Umgangston, den nicht zuletzt Horst Tackenberg prägt. Tackenberg ist ehrenamtlich tätig, zeigt seinen Schützlingen Wissenswertes rund ums Fahrrad – vom richtigen Putzen bis hin zum Speichen so anziehen, dass das Rad keine Acht mehr hat, sondern richtig rund läuft.

Damit jetzt niemand eine falsche Vorstellung hat: Die Fahrradwerkstatt ist keine Kuschelzone, sondern hier kommen Kinder hin, die „am Tag genügend in der Schule geschafft haben: Die Lehrerin oder der Lehrer sprechen eine Empfehlung aus und dann können die Kinder ihre Unterrichtszeit hier verbringen“, erläutert Tackenberg.

Olders hatte die Idee zu dieser Einrichtung, die es seit ungefähr vier Jahren gibt. Die Anschubfinanzierung kam von der „Aktion Mensch“, mittlerweile gibt es Unterstützung von „Klartext für Kinder“. Olders: „In diesem Kalenderjahr bekommen wir 1200 Euro, die wir für Arbeitsmittel, zum Beispiel Werkzeug, benötigen.“

Gemeinsam mit Schülern wurde die Toilettenanlage aus einem Gebäude am Ende des Schulhofs herausgenommen. Hier hat jetzt die Fahrradwerkstatt ihr Domizil, können zwei Schüler unter Aufsicht gleichzeitig, bei gutem Wetter auch auf dem Hof, arbeiten, finden auszuschlachtende und zu reparierende Zweiräder sowie das nötige Werkzeug ihren Platz.

Tackenberg, kommt einmal pro Woche aus Ratingen hierher. Der im Ruhestand befindliche Vermessungsingenieur ist passionierter Radfahrer und war sofort dabei, als ihm seine Tochter, eine Lehrerin der Schule, von der verwaisten Werkstatt erzählte.

Fachkenntnisse erwartet er nicht von den Kindern. „Erst reichen sie mir das Werkzeug an und halten das Rad fest, machen Probefahrten. Bei Eignung wird es dann mehr.“ Eignung könnte auch der zwölfjährige Florian besitzen, der „zu stramm Angezogene“. Tackenberg: „Er ist enorm wissbegierig!“

In der Werkstatt wird, wichtiger Nebeneffekt für Schüler und Schule, auch dafür gesorgt, dass die Räder verkehrssicher sind. Auf Wunsch werden auch kleinere Reparaturen erledigt – und hin und wieder ein auf Vordermann gebrachtes Rad verkauft.

Wolfgang Krause

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