Schräge Komödie

Foto: Christoph Karl Banski

Moers..  Man stelle sich einfach mal vor, die RAF-Terroristen Andreas Baader und Gudrun Ensslin wären eine Generation später geboren worden. Hinein in die Generation Golf, die der ewig Infantilen, der „Drei-???-Kassetten-Hörer“. Hätten sie dann nicht auch noch irgendwas drehen können – wie auch immer? Der Hamburger Theaterautor Carsten Brandau hat sich genau das vorgestellt und seiner Fantasie freien Lauf gelassen: „Fabelhafte Familie Baader“ heißt sein Stück, das STM-Ensemblemitglied Matthias Heße jetzt als letzte Premiere der laufenden Spielzeit im Studio auf die Bühne bringt und von dem er verspricht: „Das ist schon sehr schräger Humor.“

Andreas Baader ist Abteilungsleiter bei „Messer, Schlitz und Söhne“, seine Freundin Gudrun Ensslin die typische ewige Praktikantin. Beide wollen selbstverständlich alles, was das bürgerliche Leben zu bieten hat: Kind, Karriere, Haus am See und eine heiße Affäre mit der Sekretärin. Aber irgendwie will die Sache mit dem bürgerlichen Idyll nicht so recht funktionieren. Die Sekretärin ist ein Mann – nämlich Stückeautor Brandau höchstpersönlich – und Gudrun Baader, geborene Ensslin, hat immer wieder diese seltsamen Träume von Sprengstoff und Elektrokabeln ...

Kennengelernt haben sich Autor Brandau und Schauspieler Heße am Schauspiel Dortmund. Brandau, gerade erst frisch mit dem KinderStückePreis 2015 der Mülheimer Stücketage ausgezeichnet, hat sich auch zur Premiere angekündigt. Für Matthias Heße, der nicht nur Regie führt, sondern auch selbst mitspielt, kein „kopflastiges, intellektuelles Stück“, aber ein „hochintelligentes“, das mitunter „trashig und grotesk wie Monty Python daherkommt.“ Heße: „Ich hoffe, dass die Leute frisch geföhnt hier rausgehen.“