Schöne alte Dinge sehen

Kamp-Lintfort..  Am Sonntag war wieder „Internationaler Museumstag“. Aus diesem Anlass konnte man auch im Museum Kloster Kamp Geschichte hautnah erleben. Dafür sorgte Museumsleiter Dr. Peter Hahnen, der bei einer gut besuchten Sonderführung an exemplarischen Ausstellungsstücken die wechselvolle Geschichte des 1123 von Burgunder Mönchen gegründeten Zisterzienserklosters demonstrierte.

So am Beispiel des 1728 gemalten Stammbaums, der mit über 80 Tochter- und Enkelklöstern die frühere Bedeutung der 1802 von Napoleon aufgelösten Abtei belegt. Eindrücke vom Leben und Wirken der Mönche vermittelten die schweren, wollenen Mönchskutten, ein dem Original nachgebildetes Schreibpult, ein „Kapelle“ genannter kompletter Satz kunstvoll bestickter Messgewänder sowie diverses liturgisches Gerät.

Eine große Rolle spielte auch in Kamp das Scriptorium, der Schreib- und Lesesaal des Klosters, in dem bedeutende Schreiber und Illustratoren wie Wilhelm de Reno und Rudger de Bercka wirkten. Das Kamper Stundenbuch und die heute in der Preußischen Nationalbibliothek in Berlin aufbewahrte Kamper Bibel sind hervorragende Zeugnisse mönchischer Schreib- und Malkunst.

Kostbare Stickerei

Der Höhepunkt der Führung war aber zweifellos das „Kamper Antependium“, ein Tuch, das man nur an Feiertagen vor den Altar hängte. Die Nadelmalerei aus dem 14. Jahrhundert zeigt auf grünem Seidensamt aus Gold- und Silberfäden gestickte Heiligenfiguren mit Jesus und Maria im Mittelpunkt: „Dies ist eine der kostbarsten mittelalterlichen Stickereien des Rheinlands und etwas ganz Besonderes“, erklärte Hahnen stolz und verwies abschließend auf die derzeit im Museum gezeigte Sonderausstellung „Heiliges verpacken. Reliquiengefäße fürs Heute“.

Ein Tipp, den sich die meisten Besucherinnen und Besucher denn auch nicht entgehen ließen: „Es ist schön, hier so alte Dinge zu sehen und sie dazu auch noch gut erklärt zu bekommen“, freute sich Besucherin Marina Cebruk, die es nicht bedauerte, extra aus Duisburg ins Kamper Museum gekommen zu sein.