Schnibbeln, spülen, putzen - Tipps vom Profi für den Nachwuchs
14.11.2011 | 17:59 Uhr 2011-11-14T17:59:00+0100
Kamp-Lintfort. Miguel Kuhs zeigte Niederrheinschülern einen Vormittag lang, wie man professionell kocht. Hinterher gemeinsames Essen.
Miguel Kuhs zeigte Niederrheinschülern einen Vormittag lang, wie man professionell kocht. Hinterher gab’s ein gemeinsames Essen.
Eigentlich ist Wera Tackenberg ja Lehrerin an der Niederrheinschule, einer Förderschule mit den Schwerpunkten Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung. Aber manchmal ist es auch ganz hilfreich, wenn man einen Nebenjob hat: Einmal in der Woche kellnert die Sonderpädagogiklehrerin im Landgasthof Gut Porz in Ratingen-Lintorf. Und deswegen kennt sie den Koch Miguel Kuhs sehr gut – so gut, dass sie ihn für das Kochen mit ihrer Klasse, der O 3, begeistern konnte.
Zehn Lehrer, fünf Eltern und natürlich die 16 Schüler: Alle mussten verköstigt werden. „Wir zeigen, dass Kochen mehr ist als einfach nur etwas warm zu machen“, so Tackenberg. „Da muss man schnibbeln, spülen, putzen, wegräumen, warten, bis etwas kocht. Man muss einen Rhythmus finden, hat keine festen Pausenzeiten.“
Das alles zusammen sind große Herausforderungen für ihre Schützlinge, die anfänglich sehr motiviert an die Sache herangehen, deren Aufmerksamkeit aber schnell nachlässt. Tackenberg: „Ein großer Knackpunkt dabei ist es, wenn eine nicht pädagogisch verpackte Anweisung kommt und noch dazu von jemandem, den man nicht kennt.“
„Boah, voll lecker!“
Und dann kommt auch noch Essen dazu, das die Schüler teilweise gar nicht kennen – Rote Bete zum Beispiel, Feldsalat oder Kartoffeldressing. Aber wie in der Küche üblich gilt: Alles wird wenigstens probiert. „Oft kommt dann von den Schülern ein ,Boah, voll lecker!’“, freut sich Tackenberg.
Rapunzelsalat mit Kartoffeldressing und Speck, Rote-Bete-Suppe mit Blätterteigstange, Hähnchenbrust mit Schafskäse, Basilikumsoße, Tomaten-Paprika-Gemüse und Gnocchi und zum Abschluss ein Schokoladensoufflé mit flüssigem Kern auf Vanillesoße, dazu Apfel-Birnen-Zimtkompott: Was die Schüler zubereiteten, könnte auf jeder guten Restaurantkarte stehen. Kuhs verriet Tricks und Kniffe, leitete an, zeigte, wie es geht.
Ihm zur Seite stand an diesem Tag ein Lehrling, den die meisten Schüler noch kannten: Patrick Tschache hatte 2010 seinen Hauptschulabschluss, danach ein Praktikum im Landgasthof gemacht und war dann ich die Lehre übernommen worden. Mittlerweile ist er im zweiten Ausbildungsjahr. „Mit Patrick kann man gut zusammenarbeiten“, lobte Kuhs.
Auch wenn die Gastronomie mit ihren manchmal rauen Umgangsformen gerade für die Niederrheinschüler nicht ganz einfach ist, sieht Tackenberg in ihr eine gute Möglichkeit. „Gerade in dieser Branche gibt es immer Arbeitsplätze, auch für Ungelernte. Wir müssen die Kinder nur so stabil kriegen, dass sie den Berufsalltag bewältigen.“
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