Schlossgeschichte wird in Moers erlebbar

Landschaftsarchitekt Manfred Tilosen, Sabine Kasper-Wisner, Diana Finkele vor der Mauer am Schloss. Hier soll ein Durchbruch entstehen.
Landschaftsarchitekt Manfred Tilosen, Sabine Kasper-Wisner, Diana Finkele vor der Mauer am Schloss. Hier soll ein Durchbruch entstehen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Umgestaltung des Schloss- und des Vorhofes hat begonnen. Beide Bereiche sollen sich später auch für Veranstaltungen eignen.

Moers..  Wie lange die Bauarbeiten wohl dauern werden? Da mag sich Manfred Tilosen nicht so gerne festlegen. „Ende 2017“, sagt der Landschaftsarchitekt, und man hört in seiner Antwort das Fragezeichen mit. Doch Tilosens Zögern wundert wenig. Der Mann baut schließlich keine Garage um, sondern hat es mit Jahrhunderte alten Gemäuern zu tun, konkret: mit dem Moerser Schloss. Dessen Hinterhof soll ebenso umgestaltet wie der Vorplatz. „Im Moment sieht es aus wie irgendwo am Parkrand abgestellt“, sagt Museumsleiterin und „Schlossherrin“ Diana Finkele. „Alles, was jetzt passiert, hebt das Schloss wieder in den Mittelpunkt.“

Ein Schwerpunkt der Arbeiten ist der Schlosshof auf der Rückseite des Gebäudes. Jetzt soll dieser Bereich barrierefrei zugänglich werden, und zwar durch einen Durchbruch der Mauer, die diesen „Hinterhof“ vom Betriebshof links des Haupteingangs trennt. Womit Manfred Tilosen gleich bei einem ziemlich kniffligen Problem wäre. Die Wurzel einer inzwischen gefällten riesigen Platane ist an der Durchstichstelle durch die Wand gewachsen. Außerdem müssen erst Probebohrungen ergeben, wie das Innere der vermutlich im späten Mittelalter errichteten Mauer aussieht: „Da kann man nicht einfach mit dem Bohrhammer ein großes Loch machen“, weiß Tilosen. „Und es müssen Spezialisten ran, die sich mit sowas auskennen.“ In diesen Tagen soll es losgehen.

Im Betriebshof ist die „Naturbühne“ bereits abgetragen. Der Schuppen wird noch abgerissen. Später sollen auch Werkstätten des Schlosstheaters verschwinden. Geplant ist in Absprache mit der Denkmalpflege, Betonwerksteine zu verlegen, besser bekannt als „Altstadtpflaster“. Was nicht bedeutet, dass der Platz originalgetreu wiederhergestellt würde: „Aber es entspricht dem früheren Charakter“, sagt Sabine Kasper-Wiesner, die beim Zentralen Gebäudemanagement der Stadt die Projektleitung für die Baustelle hat. Der Platz soll sich für Veranstaltungen eignen, im Übrigen soll anstelle der Werkstätten eine offene Remise zur Präsentation des unterirdischen Wehrganges entstehen.

Auch im Schlosshof will Manfred Tilosen Geschichte sicht- und erlebbar machen. So ist ein so genanntes „Tonnen-Gewölbe“ bereits teilweise freigelegt, ein rund zehn Meter breiter Gang, der über eine neue Treppe zugänglich werden soll. Ein paar Meter weiter blickt man auf eine fünf mal fünf Meter große Betonplatte. Sie deckt die untere Etage des ehemaligen Wohnturmes ab. Wie tief es hinuntergeht und was die Forscher erwartet, weiß niemand so genau. Vorgesehen ist zumindest, die Beton- durch eine massive Glasplatte zu ersetzen, so dass der Blick in die Tiefe auch ein Blick in die Historie dieses Ortes wird.

Was das kostet? 750 000 Euro, allerdings übernimmt 80 Prozent das Land. „Wir passen darauf auf“, verspricht Architekt Tilosen, „dass wir in keine Kostenfalle tappen.“