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Schlange stehen vorm Knast

25.11.2007 | 18:35 Uhr

ADVENT. Weihnachtsausstellung im Hafthaus an der Haagstraße: Der Besucheransturm ließ es aus allen Nähten platzen.

MOERS. Verkehrte Welt an der Haagstraße! Das hatten die Moerser wohl noch nie gesehen. Vor dem Tor des Hafthauses an der Haagstraße stand eine Warteschlange. Alle wollten gestern in den Knast, und das aus zwei Gründen: Zum einen konnte man einen Blick hinter die vergitterten Fenster und hohen Mauern werfen, zum anderen den Weihnachtsbasar plündern. Und es lohnte sich, denn es gab wunderbare Holzarbeiten zu unglaublich günstigen Preisen. Vom Kuchen, den Weckmännern und dem Glühwein ganz zu schweigen.

"Das hätten wir uns nicht träumen lassen", seufzte Elke Krüger, Leiterin der Justizvollzugsanstalt Kapellen, bei einer Verschnaufpause in der kleinen Cafeteria im Erdgeschoss. Ihren Mann hatte sie in den Menschenmassen, die sich durch die Gänge des Hafthauses schoben, längst verloren. Ihr Weihnachtsbasar-Team aus Gefangenen und Justizbeamten hatte eigentlich erst um 14 Uhr öffnen wollen, doch schon um 13 Uhr stürmten die Massen das Gefängnis.

Die Massen stürmten das Gefängnis

Diejenigen, die in der Warteschlange vor dem Tor an der Haagstraße standen, sahen fröhliche Menschen mit ihrer Beute aus dem Hafthaus strömen. Weihnachtselche, Holzbäume, Krippen, feinste Holzschnitzereien wurden kurz nach 14 Uhr an den Wartenden vorbeigeschleppt, so dass der Eindruck entstand, als seien die Auslagen geplündert, und es gäbe bald nichts mehr zu kaufen. Wer um 14.30 Uhr noch einen großen, grünen Dekobaum aus Holz für sieben Euro ergattern wollte, der musste sich arg sputen. Guido Ebert, Leiter der Arbeitstherapie, saß am Ausgang und kam mit dem Kassieren kaum nach.

Es war unmöglich, die Anzahl der Besucher auch nur zu schätzen. Die Menschen schoben und drängten sich durch die Gänge, hinein in die Zellen, die als Verkaufsräume dienten. Um den Verkaufsstand mit in der Anstaltsbäckerei gebackenen Weckmännern herrschte der Belagerungszustand.

Anstaltsleiterin Elke Krüger denkt nach diesem Erfolg daran, einen ständigen Basar mit Produkten aus der JVA an der Haagstraße einzurichten. Bei der nächsten Criminale wird im Knast gelesen, und auch das Schlosstheater wäre ihr herzlich willkommen...In der Justizvollzugsanstalt Kapellen wurde das Gesellschaftsspiel "Ohne Bewährung" entwickelt und auch produziert. Die riesige Nachfrage ließ die Werkstatt in Kapellen jedoch aus allen Nähten platzen. Kurz entschlossen machte Elke Krüger aus dem leer stehenden Hafthaus an der Haagstraße eine Spielzeugfabrik, in der fieberhaft gearbeitet wird. (hr)

HARRY SEELHOFF

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