Schlag gegen die kleinen Kneipen
22.07.2011 | 17:23 Uhr 2011-07-22T17:23:00+0200
Am Niederrhein.Es gibt Bestrebungen, die Geldspielautomaten in den Gaststätten zu verbieten. Die Wirte bärchte das um wichtige Einnahmen; schlechte Nachrichten für die verbliebenen kleinen Kneipen.
Wo gibt es ein Bier nach Feierabend, eine Frikadelle mit Senf und einen Schwatz mit Bekannten aus dem Viertel? Wo wirft man ein paar Münzen in den Spielautomaten oder klopft einen Skat? Die Antwort liegt auf der Hand: in der kleinen Kneipe um die Ecke. Es gibt nicht mehr viele, und die wenigen, die es noch gibt, kämpfen um ihre Existenz. Sollten Spielautomaten in den Kneipen verboten werden, sehen manche Gastwirte schwarz.
Sie ist ein Stück Freizeitkultur aus einer vergangenen Zeit. Viel zu bieten hat sie auf den ersten Blick wirklich nicht, die kleine Kneipe um die Ecke. Das Bier und der Kurze, die kalten Frikadellen und wenn’s hoch kommt Bockwürstchen mit Kartoffelsalat – das Angebot reißt in Zeiten, in denen fast jeder Bäcker und Metzger einen Mittagstisch anbietet, kaum jemanden vom Hocker. In der Nähe der Theke stehen Spielautomaten, an denen man sich die sieben Minuten bis zum nächsten Pils vertreiben kann.
Doch in Berlin brauen sich dunkle Wolken zusammen. Der Glücksspielstaatsvertrag wird unter den Ländern ausgehandelt. Die Forderung des Bundeslandes Berlin lautet: Verbot von Spielautomaten in den Kneipen.
Ein paar Bierchen und ‘ne Runde am Automaten
Da ist die „Rathausschänke“ an der Montplanetstraße in Kamp-Lintfort, Begegnungsstätte und Nachbarschaftstreff seit Jahrzehnten. Claudia Thiele hat die Kneipe vor rund zwei Jahren übernommen. „Die Gäste kommen rein, trinken ein paar Bierchen, spielen und reden.“ Aber das Spielen, das sei kein Zocken, sondern nur Zeitvertreib. Drohende Suchtgefahr durch Geldspielautomaten in ihrer Kneipe? Claudia Thiele kann nur müde lächeln. Die Hälfte des Gewinns, den der Automatenaufsteller erzielt, gehört ihr. Und der ist beileibe nicht hoch.
Es ist wohl an der Zeit, eine Lanze zu brechen für die kleine Kneipe um die Ecke. Sie kann mehr sein als nur der Ort, wo man an der Theke ein Bier trinkt. In Zeiten, in denen man den Sport virtuell vorm Fernseher betreibt und „Freunde“ im Internet findet kann, braucht es das Kulturgut Kneipe dringender denn je. Was gehörte nicht früher alles zur Kneipe: drei oder vier Skatspieler, die mit Ausdauer und Spaß an der Freud’ die Karten auf den Tisch knallten und der gute alte Flipper, an dem ganze Generationen ihre Abende verbrachten. An den Wänden hingen Sparkasten und Vereinsabzeichen, auf dem Regal stand der Pokal der Thekenmannschaft. Die Kneipe war der kommunikative, wenn nicht gar der soziale Mittelpunkt der Straße, des Viertels, der Nachbarschaft, des Dorfes. Diese Zeiten mögen vorbei sein, aber vielleicht kommen sie ja wieder. Und es wäre schön, wenn die kleine Kneipe bis dahin überleben kann.
Von den Automatenaufstellern stammen die folgenden Zahlen: Durchschnittlich liefert ein Geldspielautomat einen Gewinn von 600 bis 800 Euro monatlich. Davon geht rund ein Drittel weg für Umsatz- und Vergnügungssteuer; was übrig bleibt, teilen sich Aufsteller und Gastwirt. Stehen in einer Kneipe zwei bis drei Geräte, bringt das dem Wirt zwischen 600 und 1000 Euro im Monat. Wie häufig die Gäste Geld in den Automaten werfen, lässt sich leicht ausrechnen: Legt man 250 Öffnungsstunden für eine Kneipe zu Grunde, verschwinden stündlich etwa drei Euro im Münzeinwurf.
50 Prozent des Gewinns gehören dem Wirt
Aber auch wenn die Einnahmen nicht üppig sind, so werden sie doch dringend gebraucht. „50 Prozent des Automatengewinns gehört mir“, rechnet Claudia Thiele vor, „und das ist die Hälfte der Pacht, die ich für die Gaststätte zahlen muss.“ Müsste sie die Automaten abbauen lassen, wüsste sie nicht, wie sie die Einnahmeverluste auffangen sollte. Vielleicht ließen sich mit einer Ein-Mann-Kapelle Gäste in die „Rathausschänke“ locken, aber auch die kostet zuerst einmal Geld, und der Erfolg ist ungewiss.
Thomas Kolaric, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Niederrhein, sieht einen gravierenden Unterschied zwischen Kneipen und Spielhallen: „In den Kneipen gibt es noch die soziale Kontrolle.“ Kolaric sieht das ohnehin schon fortschreitende Kneipensterben mit Bedauern: „Was unsere Region mal ausgemacht hat, das stirbt aus. Die Kneipe ist ein Kulturgut, und das Typische einer Region sollte man erhalten.“
20:02
Der Kompentar des Hotel- und Gaststättenverbandes ist auch nicht besonders positiv. Ist das nicht der Verband der Kneipen !!!!! Wenn ein Geschäftsführer sich nicht voll für seine Mitglieder einsetzt müsste er ausgewechselt werden. Warum last ihr euch das gefallen, er müsste sich doch wirklich mal voll einsetzen und nicht irgendwas von untergang labern der doch bevorsteht !!!!! Gut das es Harry Seelhof gibt der eine Lanze bricht für die kleine Kneipe !!!!!!
Also Verband labert nicht dum rum sondern macht was für die Zukunft eurer Miglieder.
13:35
Tja, da hat mal mal einen Kleinod und der wird ständig und unaufhörlich angeschossen. Das ist schon ein Sündenpool diese kleine Kneipe. Es wird getrunken-geraucht-und gespielt! Aber, wer diese leidenschaftliche Atmoshäre aufgenommen hat und die nachbarschaftliche Gemütlichkeit liebt, der sucht
eben hiernach. Es gibt für wahr sicherlich wichtigere Aufgaben für unsere Politiker und Beamten, als die, immer auf unseren kleinen Kneipen herumzuschlagen.
21:42
@Peter1299
In der Gaststätte geht ein Teil des Gewinnes an den Wirt, der in den meisten Fällen dadurch seine Pacht schon mal abgesichert hat. Aber dieser Gewinn entgeht der Industrie.
Die Auszahlquoten der Gaststätten sind anders, als die in einer Spielhalle. In der Gaststätte sind die Auszahlquoten geglättet, d.h.es fallen öfters kleine Gewinne. In einer Spielhalle sind diese kleineren Gewinne eher selten und wenn, dann setzt der Spieler diese Gewinne auch direkt wieder ein, in der Hoffnung auf den großen Gewinn.Durch diese Auszahlquoten läßt sich wunderbar das Spielverhalten steuern und führt in fast allen Fällen zur Sucht. Und die Anonymität in der Spielhalle fördert ebenso die Sucht.
Die Zulassung der Geräte sind für mich ein Rätsel, denn selbst die zulassende Behörde weiß nicht zu 100% über die Technik des Gerätes bescheid. Ein Netzwerkanschluß kann nicht nur zur Wartung eingesetzt werden, sondern auch um im Spiel die Quote zu ändern.
Machen sie sich mal die Mühe und schauen an Lohntagen, 1. und 15., in eine Kneipe und in eine Spielhalle. Beide sind voll mit Gästen, nur wenn die Gäste die Kneipe verlassen haben die noch Geld in der Tasche, auch wenn man den einen oder anderen Euro verspielt hat.
Für mich ist das ganze staatlich geförderte Sucht auf Druck der Industrie.
20:54
Hallo F.Laube
danke für diese ganzen Informationen. Kneipe ist doch auch ein Markt für z.B. die Firma Gauselmann, sicherlich nicht so groß wie der Spielhallenmarkt. Meinen sie wirklich das die Branche ihr Fründe in den Spielhallen sichern will zu lasten der Spielautomaten in den Gaststätten ??????? Da sollten wir aber front machen zugunsten den kleinen Gaststätten. Wenn da etwas tran sein könnte , sollte man die kleinen Unterstützen. Interessant auch die verpflechtung zu den Grünen. Lassen sie uns mal weiter forschen !!!!!!!!!!
Peter M.....
18:43
Prima Lobbyarbeit der Industrie, allen voran Gauselmann.
24.06.2009
Die Automatenbranche auf dem CSU-Bundesparteitag - u.a. im Gespräch mit der Bundesministerin für Verbraucherschutz!
20.07.2009
Büroleiterin des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Rezzo Schlauch wechselt in die Glücksspielautomaten-Branche.
19.06.2009
Glücksspiel-Zar Gauselmann sponsert Fest des Westens mit Kanzlerin Merkel, Rüttgers, Ingo Wolf und Co.
26.05.2009
Gauselmann trifft Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg
Quelle: http://www.berlin-marienfelde.de/spielhalle/lobby.shtml
Dort stehen die vollständigen Artikel.
11:36
Was ist überhaupt mit den Spielhallen die neuerdings überall entstehen, an jeder Autobahnausfahrt usw. Soll das Geschäft da gebündelt werden auf kosten der kleinen Kneipe !!!!!! Hat da jemand erfahrung ???????? Spielhallen und Staat machen gemeinsam front gegen die Kneipen !!!!
11:32
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01:20
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19:53
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19:51
Also - nicht rauchen - nicht spielen -
als nächstes alkoholfreies Bier , wozu eigentlich noch Kneipe , wenn fast alles verboten wird . Es macht wirklich keinen Spass mehr in Deutschland zu leben , jeden Tag fält den Hirnis in Berlin was neues ein .