Saar-Beben lässt Kumpel zittern
03.03.2008 | 20:21 Uhr 2008-03-03T20:21:35+0100BERGBAU. Der Betriebsratsvorsitzende des Bergwerks West weist auf die Gefährdung des Strukturwandels in dieser Region hin, wenn es zur vorzeitigen Schließung der Lintforter Zeche kommen sollte.
KAMP-LINTFORT. Friedhelm Vogt sieht - wie jeder andere Kumpel - schwarz, wenn er in den Kohlerevieren unter Tage ist. Mittlerweile sieht er auch schwarz, wenn er an mögliche Szenerien denkt, die sich am linken Niederrhein künftig abspielen könnten. "Denn wenn die Zeche an der Saar tatsächlich schließen sollte, wie von den Kohlegegnern gerade wegen des jüngsten Erdbebens gefordert, dann würde dies auch das Bergwerk West zu spüren bekommen. Und falls dies auch noch wegen der jüngsten Erdstöße eher dichtmachen müsste: der gesamte Strukturwandel in dieser Region", sagt der Betriebsratsvorsitzende von Bergwerk West.
Fakt sei nämlich: Die Saar-Zeche produziert die billigste Kohle. Sie ermögliche die Mischkalkulation des Gesamt-Kohlepreises in Deutschland. Und dieser Preis sei immer noch teurer als der für Auslandskohle. Mache also die Saar-Zeche zu, dann würde auch die Kohle hier viel teurer.
Alles aus dem Subventionstopf
Außerdem würden die Stillegungskosten für die Saar-Zeche bei 500 Mio Euro liegen, Geld, das aus dem Subventionstopf genommen werden müsste: "Daher ist es der falsche Ansatz, wenn jetzt Kohlegegner zu Demos fahren."
Vogt spricht von Verschlechterung der Stimmung hier vor Ort: "Wenn wir aber länger das Bergwerk West auflassen, dann haben wir Zeit für den Strukturwandel."
Was ihn auch betrübt: "Die Tarifverhandlungen sind wegen der Zeche Saar zurzeit eingestellt, weil der DSK-Vorstand nicht den genauen Schadensumfang kennt. Wir werden ihn jedenfalls hier auf dem Bergwerk West mittragen müssen. Wir könnten also betroffen sein von weiteren Einsparungen, die sich auf Lohn und Sachkosten auswirken könnten. Wir haben schlichtweg Angst und Sorge."
Das Thema Erdbeben und Erdstöße an der Saar und am Niederrhein kommt jedenfalls auch auf die Tagesordnung der nächsten Betriebsversammlung in der Eyller Sporthalle am Sonntag, 9. März: "Eine Veranstaltung mit besonderer Brisanz, wir erwarten an die 1000 Kumpel."
FDP FORDERT: BERGBAU SOFORT STOPPEN Im Zuge der Demos von Bergbaugegnern aus dem Ruhr-und Saarrevier macht die RAG erneut darauf aufmerksam, dass Erderschütterungen wie im Saarland in NRW nicht möglich sind. Chefmarkscheider Dr. Peter Fischer: "Es gibt erhebliche Unterschiede in der Geologie! Die Schichten in NRW sind weicher, sie können die Energie zu einem Großteil auffangen."
Vor dem Hintergrund der Ereignisse im Saarland soll der Kreistag Wesel die Bergbehörden und die DSK AG auffordern, den Abbau von Steinkohle am Niederrhein sofort zu beenden. So lautet ein Schreiben von FDP-Fraktionschef Dr. Terwiesche.
10:04
Bei allem Verständnis für die Interessen der Kumpel am Erhalt ihrer Arbeitsplätze, aber muss es denn immer wieder sein, dass Augenwischerei betrieben wird?
Wenn Friedhelm Vogt damit argumentiert, dass für den Strukturwandel noch Zeit benötigt wird, dann hat er zwar leider Recht, aber er übersieht dabei, dass hierfür schon viel Zeit vergeudet wurde, und das nicht zuletzt auch durch die Betriebsräte selbst. Von deren Seite wurde viel zu lange das Szenario des Arbeitsplatzabbaus und der Zechenstillegungen als Tabu gehandelt, statt sich mit den Folgen, eben jenem Strukturwandel und notwendigen Perspektiven zu befassen. Und hierfür sollen wir alle weiter die Zeche zahlen???
Die Aussagen der RAG , dass Erschütterungen wie im Saarland hier nicht möglich seien, ist schlichtweg zynisch und zeigt, dass Chefmarkscheider Dr.Fischer seinem Arbeitgeber nur nach dem Mund redet. Am 11.12.2007 gab es am Niederrhein ein Beben mit einer Stärke von 3,2 auf der Richterskala in Repelen. Damit hatte niemand gerechnet, auch nicht der Chefmarkscheider. Angesichts solcher Vorgänge von UInmöglichkeiten zu sprechen, ist pure Blenderei.