RoB schreddert sich selbst
01.06.2012 | 18:00 Uhr 2012-06-01T18:00:00+0200
Moers. Angeblich 10 403 Unterschriften, aber alle vernichtet. Neuer Anlauf im Herbst.
Unterhaltsam, diese Abschluss-Pressekonferenz der Bürgerinitiative „Rathaus ohne Ballhaus“. Gefühlte 27 Kaffeemaschinen und das gewohnt volle Haus im beliebten Café Pilates sorgten für eine Geräuschkulisse, die es locker mit dem Kölner Hauptbahnhof aufnehmen kann. Zumindest für Menschen, die sich quer über den großen Tisch auf wichtige Nachrichten konzentrieren möchten. Aber irgendwie passte das. Was zu verstehen war, hatte überragendes Sketch-Potenzial. Die Botschaft: Wir haben einen Achtungserfolg erzielt und der Bürgermeister steht blöd da. Mit 10 403 Unterschriften sei das Ziel von 12 555 denkbar knapp verpasst worden. Es gibt da nur ein kleines Problem: „Die Listen haben wir sogleich geschreddert.“
So sprach Heinz Huppers, neben Peter Vykoupil und Hannelore Kaufmann Mitbegründer der Initiative und Schöpfer von Sätzen wie „Das ist wie bei Gucci: Die Marke ist geschützt, die Handtasche nicht“. Der Mann wusste schon zu Beginn der Aktion im Januar, wie man Verwirrung schafft, und setzte gestern noch einen drauf: „RoB ist nicht tot, wir machen nur einen Boxenstopp, um danach mit neuem Schwung das Rennen zu gewinnen.“ Will heißen: RoB macht weiter und will im Herbst einen neuen Versuch starten, Ballhaus’ Abwahl zu erzwingen. Ernsthaft? „Natürlich. Dann ist klar, was Moers alles streichen muss und dann wird deutlich, dass Ballhaus der falsche Mann ist.“
Eine Szene, die deutlich macht, wie – sagen wir – heterogen die Gruppe ist. Inklusive der bis dato unterstützenden Politik. Huppers’ Mitstreiter nämlich waren sichtlich überrumpelt. Und während Linke-Chefin Gabriele Kaenders sich selbstkritisch gab, das verfehlte Ziel als „persönliche Niederlage“ empfand, einräumte, dass den Moersern offenbar einfach das Interesse fehlte, und sich für die Zukunft distanzierte: „Das muss man akzeptieren, für mich hat sich RoB erledigt“, schloss CDU-Fraktionschef Klaus Rudatsch nicht aus, ein erneutes Abwahl-Verfahren im Herbst nochmal zu unterstützen. „Warum soll man nicht abwarten, wie sich die nächsten Monate entwickeln?“
Das war dann die nächste Überraschung, weil Rudatsch wegen der vergeigten Aktion bereits heftige Prügel hatte einstecken müssen und auch Huppers nochmal nörgelte, dass neben Geldmangel und der Landtagswahl – in diesen beiden Punkten waren sich alle einig – die viel zu bequeme CDU der Grund für das Scheitern gewesen sei. Rudatsch räumte ein: „Ich bin enttäuscht über die mangelnde Aktivität der Gruppierungen innerhalb der CDU.“ Er, der alles einst im Rat angestoßen hatte, fühle sich aber nicht als Verlierer. Und bestritt, nur noch Fraktionschef von Ingo Brohls Gnaden zu sein. „Er ist mein Pressesprecher, das einzige, was uns trennt, ist das Alter.“
Nicht nur Fraktionschef von Ingo Brohls Gnaden
Piraten-Sprecher Jochen Lobnig brachte eine wichtige Sache auf den Punkt: „Es ist einfach nicht gelungen, die tatsächlichen Auswirkungen der Ballhaus’schen Verfehlungen begreifbar zu machen. Die Leute da draußen wussten teilweise nicht mal, wer der Bürgermeister ist. Da brauchen Sie von Vauth erst gar nicht anzufangen.“
Und dann stand da ja noch die Zahl, die keiner mehr überprüfen kann. Die offizielle Version lautet: „Weil wir von vielen Unterzeichnern gebeten worden sind, im Falle eines Scheiterns den Datenschutz zu wahren.“ Ob es eine inoffizielle gibt, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich mehrere.
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