Rettet das Wurstbrot mit Guterbutter!
18.07.2011 | 15:58 Uhr 2011-07-18T15:58:00+0200
Moers.Meister Malmsheimer deklamierte beim Comedy Arts über die gute, alte Zeit und die „fuenf“ besangen den ewigen Horst aus allen Liebesliedern dieser Erde.
Da muss man erst mal drauf kommen, dass der Satz „Mir im Süden stell’n die hochwertigeren Kraftfahrzeuge her“ Musik ist, die man fünfstimmig wunderbar säuseln kann. Die „fuenf“ aus Stuttgart sind drauf gekommen. Nun sind sie allerdings stimmlich so gut drauf, dass sie quasi alles zu Lied-gut im wahren Sinne des Wortes machen können. Mit der Spaß-A-capella-Truppe und stehendem Beifall ging am Sonntag ein wunderbares Comedy Arts Festival zu Ende.
Die Jungs sangen sich durch die Küche mit „1000 mal püriert“ statt „1000 mal berührt“. Nahmen die Gastronomie aufs Korn und verballhornten den Sade Hit „Smooth Operator“ zum Steak à la „Schuhsohlenleder“. Sie alberten in allen Liebesliedern dieser Welt mit „Horst“ statt „Love“. Erzeugten Drum-Sounds mit Worten wie „Schabracken“ und „böse Katze“ und servierten uns noch einen „German Cha-Cha-Cha“, der erfolglosen Versuche unserer Landsleute, italienisch zu sprechen, aufs Korn nahm: mit „Gnotschi“ und „Tschantutschi“.
Poetische Liebesgeschichte
Sprachlich eindeutig eleganter ist da Jochen Malmsheimer. Der schwurbelt so wunderschöne Formulierungen wie „subfontanell schlecht möbliert“ oder „oral gekachelt“. Und niemand sonst kann sich so schön über den Verlust des guten alten Wurstbrots „mit Niveau, Charakter und Geschmack“ und „Guterbutter – ein Wort“ echauffieren, das zu einem „Komposthaufen“ mit Mayo und Salatblatt geworden ist. Dank ihm wissen wir jetzt, dass der klassische Nudelsalat mit dick Mayo und halbierten Silberzwiebeln „Walter“ heißt und Ruhris Wirkungstrinker sind. Dass der Sendeschluss, den es früher noch gab, ein „innere Ruhe transportiert“ und dass man zu Leggings auch „Schenkelpellen“ sagen kann. Malms-heimer hat auch keine Angst vor Kalauern, aber dann schmunzelt er „Ich hör’ mir einfach nicht mehr zu“. Dann ist er mit Sicherheit der einzige, denn die Besucher des Comedy Arts taten es hochkonzentriert. Schön, dass er die ZDF-Anstalt verlassen durfte, um den Moerser Comedypreis entgegen zu nehmen.
Gerne mehr gesehen hätten die Zuschauer bestimmt vom Cirqu’Oui und ihrer Präzisions-Jonglage, begleitet von Akkordeonmusik. Nur eine halbe Stunde tanzte das Trio seine poetische Liebesgeschichte mit- und umeinander – und das mit sieben Keulen.
Spaß machte auch die unangekündigte Zugabe, die schon vor Beginn des Festival-Sonntags mit dem Einkaufswagen voller Schlagzeug übers Gelände schob: die „Four Shops“.
Gegen Künstler wie „fuenf“ oder Malmsheimer hatte es die Moderatorin des Abends schwer. Sybille Bullatschek, die „Pflägekraft“ im „Haus Sonnenuntergang“, ist eigentlich eine tolle Figur, die sich Ramona Schukraft ausgedacht hat. Aber vielleicht ist das Publikum des Comedy Arts dafür zu jung.
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