Remmel will Giftmüll-Deponie Eyller Berg in Kamp-Lintfort rasch schließen
22.10.2012 | 21:06 Uhr 2012-10-22T21:06:00+0200
Kamp-Lintfort. Seit Jahren kämpfen die Bürger gegen die Genehmigung einer eine Abfallbehandlungsanlage auf der Giftmülldeponie Eyller Berg in Kamp-Lintfort. In ihrem Kampf werden sie unterstützt von der Stadtverwaltung und allen Fraktionen im Stadtrat. Gestern besuchte Umweltminister Johannes Remmel die Stadt und versprach, die Deponie bald zu schließen. Doch die Bürger wollen Taten sehen.
Das waren die Worte, auf die die Kamp-Lintforter so lange vergeblich gewartet hatten: „Die 69er Linie ist einzuhalten. Und: Die 69er Linie ist überschritten, da ist kein Zweifel. Und: Ziel ist es, die Deponie so schnell wie möglich zu schließen. Die Abfallbehandlungsanlage ist nicht mehr nötig“, sagte Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Die 69er Linie, um die es immer wieder Diskussionen gibt , ist die Höhenlinie der Deponie und Bestandteil der Genehmigung. Sie darf nicht überschritten werden.
Remmel stand am Montag nach einer kurzen Stippvisite bei der Giftmülldeponie Eyller Berg den Fraktionen und Bürgerinitiativen der Stadt Rede und Antwort stand. Doch alle Skepsis vermochte er nicht auszuräumen.
Bürgermeister hat Bedenken
Allen voran äußerte Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt Bedenken: Er habe sich sehr gefreut, dass der Minister gekommen sei, aber er habe „nicht in allen Punkten befriedigend geantwortet“. Und Ulrich Blauert, Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Giftberg, meinte nach Ende der Pressekonferenz lakonisch: „Die Worte haben wir gehört, nun müssen Taten folgen.“
Man will zu einem Ergebnis kommen
Johannes Remmel erklärte zu Beginn, er wolle drei Botschaften an die Kamp-Lintforter vermitteln: Landes- und Bezirksregierung haben sich nicht vom Eyller Berg verabschiedet, das Thema werde mit der festen Absicht verfolgt, zu einem Ergebnis zu kommen. Weiter sei es ein gemeinsames Interesse von Land, Stadt und Bürgern, zu einem Abschluss der Deponie zu kommen. Und schließlich müsse – da die Abfallbehandlungsanlage nach Immissionsschutzrecht zu genehmigen sei – diesbezüglich eine Entscheidung erfolgen.
Diese Anlage zu verhindern, ist die Bürgerinitiative „Giftmülldeponie Eyller Berg“ um Ulrich Blauert angetreten. Auf ihn, wie auch auf andere, dürfte die Verhinderungsstrategie des Ministeriums etwas hilflos gewirkt haben: „Die Bezirksregierung sollte auf den Betreiber einwirken, auf die Genehmigung zu verzichten. Er hat nicht zugestimmt“, so Remmel. Was in Kamp-Lintfort auch niemanden wundern dürfte.
Wichtig ist der politische Wille
„Unserer Erfahrung nach ist es sehr schwer, sich mit den Betreibern an einen Tisch zu setzen“, so der Bürgermeister. Dennoch gab es Lob für den Minister. Landscheidt: „Es ist sehr wichtig, dass Sie sagen, es bestehe der politische Wille, das Deponieende herbeizuführen.“
Die Bezirksregierung, stellte der Bürgermeister fest, habe bisher nicht so klar dargelegt, dass die Deponie voll sei – und dass es nach dem Verständnis der Stadt somit gar keine Abfallbehandlungsanlage geben dürfe.
Schlechte Aufsicht über die Deponie
Das Kind sei nun aber in den Brunnen gefallen. „Wir beklagen, dass es überhaupt zu diesem Verfahren gekommen ist“, richtete Landscheidt seine Kritik an die Düsseldorfer Genehmigungsbehörde. „Wir hatten nicht den Eindruck, dass die Bezirksregierung in dieser Klarheit die Aufsicht geführt hat.“ Nun, diesem Missstand half Johannes Remmel ab. Hinter seine Aussage, dass die 69er Linie gelte, aber überschritten sei, kann die Bezirksregierung nicht mehr zurück.
Und einem Schnellschuss bei der Genehmigung hat Remmel ebenfalls einen Riegel vorgeschoben. Der Fragenkatalog, den er der Bezirksregierung vorlegte, mache „umfangreiche rechtliche Prüfungen erforderlich“. Mussten die Kamp-Lintforter noch vor wenigen Wochen davon ausgehen, dass sie gegen die Genehmigung der Behandlungsanlage für Giftmüll durch die Bezirksregierung machtlos seien, so haben sie jetzt offenbar einen mächtigen Verbündeten gefunden.
Lutz Malonek, Vorsitzender der „Interessengemeinschaft Endlager Mensch“, zeigte sich sehr angetan, denn vor Kurzem habe sich das noch ganz anders angehört. Ulrich Blauert hob denn auch hervor, dass zum ersten Mal der Satz über die Verbindlichkeit der 69er Höhenlinie von einem Verantwortlichen gefallen sei.
Es gilt, dicke Bretter zu bohren
Euphorie wollte indes nicht aufkommen, war man sich doch einig, dass es im Kampf gegen die Giftmülldeponie noch dicke Bretter zu bohren gilt. Johannes Remmel zur Genehmigungspraxis der Bezirksregierung: „Vor 2010 hat es Entscheidungen gegeben, die uns die Sache nicht leichter machen.“
Nach der Pressekonferenz standen Bürger und Politiker noch lange im Ratssaal, diskutierten das Gehörte. Offenbar hatte der Umweltminister vorher ein Szenario an die Wand gemalt, dass alle mit Sorge erfüllen muss: Was, wenn der Deponiebetreiber Insolvenz anmeldet, bevor die Rekultivierung des Eyller Berges abgeschlossen ist?
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Da muss die Bürgerinitiative erst massiv gegen die Grünen werden, dass sich der Herr Umweltminister bequemt, sich um diese äußerst unangenehme Angelegenheit persönlich zu kümmern.
Wenn er aber wirklich etwas hätte bewirken wollen, dann hätte er zum Lokaltermin gleich noch seine Chefin, die Ministerpräsidentin Kraft mitgebracht.
So aber sieht das doch sehr danach aus, dass er nur geschickt wurde die Wogen zu glätten.
Denn irgendwo müssen die giftigen Hinterlassenschaften der Industriegesellschaft hin. Und solange keine anderen und möglichst besseren Wege vorhanden sind wird sich dieser Giftmüll immer den billigsten Platz suchen, was bisher der Eyller Berg war.
Wenn da nicht bald entscheidende Schritte zur Schließung des Eyller Berges unternommen werden wird auch die SPD Wählerstimmen verlieren. Was ja nur gerecht wäre denn das Problem ist ja hauptsächlich unter der SPD-Regie entstanden.