Rastplatz mit Seeblick
29.08.2009 | 10:00 Uhr 2009-08-29T10:00:00+0200
Beim Kunstprojekt „Different Places - Different Stories” ist Moers dreifach vertreten: Seewerk, Nepix Kull und Peschkenhaus
Moers. Ein Raum im Peschkenhaus wird schwarz gestrichen, das ganze Haus nach außen verschlossen, an der Nepix-Kull flattern riesige weiße Laken direkt über grüner Wiese, und am einem ehemaligen Parkplatz nahe dem Seewerk in Kapellen steht plötzlich eine Schallschutzwand, ein riesiger Betontisch und -bänke – zu nix wirklich zu gebrauchen. Autbahnrastplatz-Atmosphäre mit Blick auf den Silbersee.
Das sind in ganz groben Zügen die Moerser Beiträge zu dem Projekt „Different Places – Different Stories”, ein grenzüberschreitendes Projekt der Stichting Odapark bei Venray und des Kulturraum Niederrein. An weiteren neunzehn Orten setzen sich Künstler mit dem öffentlichen Raum auseinander, von Emmerich bis Viersen, von Roermond bis Venlo. Am 5. September werden die „Kunsträume” offiziell freigegeben. Und Moers spielt dabei eine besondere Rolle. Denn neben Venlo (12 Uhr) gibt es am Seewerk (15 Uhr) eine Eröffnungsfeier. Ein Shuttlebus, der Kulturtouristen an diesem Tag hin und her fährt, ist eingerichtet.
Ein bemerkenswertes Projekt, das die Initiatoren und Kuratoren da gestemmt haben. Selbst, wenn das manchmal wörtlich zu nehmen ist. Denn von der Idee Kai Rheinecks, Betontische am Silbersee zu gießen, gab es einige Hürden zu überwinden, statische und leitungstechnische. Kein Betonmischer hat 90 Meter lange Leitungen an Bord. Zwischenzeitlich fragten wohlmeinende Anwohner angesichts der Geschäftigkeit am Platz: „Wollen Sie bauen? Haben sie ein Baugenehmigung?” Aber alles ist gut geworden. Die „Bauten des ruhenden Verkehrs 01 und 02” sind schon fast fertig.
Auch Monika Jaklic vom Kunstverein Peschkenhaus hatte mit Widrigkeiten zu kämpfen. Denn erstens ist in der Moerser Innenstadt am Kirmeswochenende an eine Ausstellungseröffnung traditionell nicht zu denken. Und zweitens möchte die Schweizer Künstlerin und Dozentin Michaela Melián Räume des ältesten Hauses der Stadt schwarz anstreichen, Schallschutz für ihre Videoinstallationen anbauen, und da hat der Denkmalschutz ein Wörtchen mitzureden. aber auch sind die Widrigkeiten überwunden, die Ausstellung wird eine Woche später eröffnet.
Fertig mit seiner Arbeit ist Keisuke Matsuura. Der Absolvent der Düsseldorfer Kunstakademie hat die Insel im Moerser Schlosspark mit riesigen Stoffbahnen überzogen. Was sagt uns das? Es erinnert an die Wäsche bleichenden Frauen von Moers, die sich auf der Nebeninsel früher trafen. Das Weiß bietet einfach einen schönen Kontrast zum satten Grün darunter, betont die dreieckige Form, die auch auf alten karten zu finden ist. Das Auge ist gut beschäftigt bei der Erkundung verschiedener Perspektiven.
Schon diese drei Arbeiten zeugen von einem interessanten Ansatz bei diesem Projekt. Wer alle sehen möchte, kommt richtig rum am Niederrhein.
21:07
Hier sind Fotos vom Projekt Nepix Kull:
www.derwesten.de/community/successo/stories/936854