Queen Elisabeth wohnt in Moers

Queen Elisabeth Hendricks, eine außergewöhnliche Dame.
Queen Elisabeth Hendricks, eine außergewöhnliche Dame.
Foto: Funke Foto-Services
Was wir bereits wissen
Die Seniorin mit den beiden ungewöhnlichen Vornamen lebte lange in Indien. Sie wohnt heute im Altenheim Bethanien und berichtet von bewegten Zeiten.

Moers..  Queen Elisabeth lebt im Seniorenheim Bethanien an der Wittfeldstraße. Und zwar seit über einem Jahr. Queen Elisabeth Hendricks ist eine betagte kultivierte Dame, die mit stets gepflegten Fingernägeln am Computer sitzt, E-Mails scheibt und Rommé spielt. Sie „residiert“ im vierten Obergeschoss des Hauses und erzählt für uns aus ihrem bewegten Leben. Alles begann bei ihrer Geburt 1931, als sie in Kalkutta/Indien das Licht der Welt erblickte.

Das waren noch Zeiten. „Zuhause hatte jedes der drei Geschwister eine Nanny.“ Der Vater war ein indischer Ingenieur und arbeitete für die Stadtwerke in Kalkutta, die Mutter war Engländerin und noch sehr jung bei der Hochzeit. „Es gab viele vornehme Cocktail-Empfänge, zu denen auch meine Eltern eingeladen waren. Da kamen so prominente Leute wie Theodor Heuss, Marianne Koch oder Horst Buchholz“, erzählt die Seniorin.

Eine arrangierte Ehe

„Es war eine arrangierte Ehe, wie alle Ehen in Indien damals“, schildert Queen Elisabeth Hendricks weiter. „Als Mutter mit mir schwanger war, war zufällig auch die spätere Queen Mum mit Margret schwanger. Darauf war Mutter so stolz, dass sie mir die beiden Vornamen Queen und Elisabeth gab.“

Queen Elisabeth lebte 30 Jahre in Indien. Sie heiratete den Deutschen Heinz Hendricks aus Essen, der als Ingenieur für Krupp in Kalkutta arbeitete. „Mein Mann war im Zweiten Weltkrieg in einem indischen Internierungslager. Deutsche waren Feinde der britischen Kronkolonie.“ In dem Lager hätten es die Männer aber nicht so schlecht angetroffen. „Sie haben auch Hockey gespielt, und dabei hat mein späterer Mann auch Heinrich Harrer kennengelernt.“

Heinrich Harrer war es irgendwann leid in dem Lager, wie Queen Elisabeths Vater später des öfteren schilderte. Eines Nachts machte der Alpinist sich aus dem Staub, floh über die Berge nach Tibet. „Die Männer im Lager haben noch drei Tage beim Appell für ihn hier gerufen, damit er genug Zeit für die Flucht hatte“, lächelt Queen Elisabeth Hendricks.

Wie alle gebildeten Bürger in Indien sprachen auch Queens Eltern zu Hause nur Englisch, außerdem noch ein paar Brocken Hindi für die Hausangestellten. So wuchsen auch Queens Kinder auf. „Bis heute ist es für Außenstehende ein ziemliches Sprachen-Misch-Masch, wenn die Familie sich trifft“, berichtet Tochter Lilo Hendricks. Und noch immer hört man Queen Elisabeth ein bisschen den englischen Akzent an, was sie aber nicht stört – im Gegenteil.

Zehn Jahre nach der Hochzeit zog es Heinz Hendricks zurück nach Deutschland. Die englisch-indische Familie zog mit. Tochter Lilo, damals sieben Jahre: „Ich hab geweint, als ich hier ankam. Mein Kindermädchen war weg, es war eiskalt, draußen lag Schnee und kein Mensch verstand mich.“ 1961 seien sie am Niederrhein noch so etwas wie Exoten gewesen. In Rumeln baute die Familie wenig später ein Haus.

Vieles war anders

Vieles war anders als zu Hause in Indien: „Dort nahm man für alles eine Rikscha oder ein Taxi. Hier nicht.“ Also musste Queen Elisabeth aufs Auto umsteigen. „Ich hatte meinen Führerschein aber vom Polizeipräsidenten von Kalkutta geschenkt bekommen. Als er damals hörte, ich hätte keine Lizenz, fuhren kurz darauf zwei Polizisten im Jeep vor und brachten mir den Führerschein“, schmunzelt die alte Dame. Am Niederrhein habe sie dann aber vorsichtshalber Fahrstunden genommen.

Die Vornamen Queen Elisabeth stiften manchmal auch Verwirrung. „Einmal hab ich was im Internet bestellt – aber nichts kam. Auf Nachfrage hat man mir dann gesagt, man habe den Absender für einen Scherz gehalten.“ Fürs Telefonbuch habe sie sich sogar in Queenie Hendricks umbenennen müssen. Und in der Atemtherapiegruppe Bethanien nannte sie ein Teilnehmer auch schon mal Queen Victoria.

Zum Schmunzeln auch, wenn die Seniorin sich mit ihrer Freundin Ingrid Bergmann aus Rumeln trifft. „Dann halten Queen Elisabeth und Ingrid Bergmann Kaffeeklatsch“, sagt die Tochter amüsiert.