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Stadtentwicklung

Politik soll Kö-Center-Ausschreibung stoppen

13.01.2010 | 08:00 Uhr

Moers. Kurz vor der entscheidenden Ratssitzung fordert Jochem Bellinger die Moerser Kommunal-Politik auf, die Ausschreibung für das Shopping-Center am Kö zu stoppen. Das spare Zeit und Geld, sagt der Architekt aus Rheurdt.

Denn das gesamte Vorhaben sei in dieser Form „schlecht für Moers” und in seiner Umsetzung fast schon utopisch. Nicht so ein – wenn auch später – Abbruch. Der potenzielle Investor MAB, so habe Bellinger erfahren, wolle nämlich mit der Grundstücks-akquise loslegen, wenn alle großen Fraktionen des Stadtrates zustimmten. Und da setzte er vor allem auf die CDU. Renommierte Schützenhilfe bekommt Bellinger von Möbel-Kaufmann Ulrich Kleier: „Es gibt eine Alternative.”

Allein die Grundstücke kosten 35 Millionen Euro

Der Architekt sagt, er wolle sich nicht als Besserwisser aufspielen, sondern die Moerser City so weiterentwickeln, dass sie ihre Stärken ausspielen könne. Im Gepäck hat er kleinteilige, der City angepasste Pläne, die den Beifall und die Unterstützung der relevanten Grundstücksbesitzer fänden. Bekannte Ideen, frisch überarbeitet.

Ganz im Gegenteil zur Ist-Situation. Bellinger argumentiert: Zum einen könne ein Center dieses Ausmaßes nicht zielführend sein für eine Stadt zwischen Duisburg, Oberhausen und Krefeld. Eine Auffassung, die Wilhelm Bommann, Gesamtgeschäftsführer des Niederrheinischen Einzelhandelsverbandes, seit Jahr und Tag teilt.

Zum anderen werde der letzte verbliebene Investor seine Pläne gar nicht umsetzen können. „Dazu benötigt MAB nun mal alle Immobilien und Grundstücke, und die bekommen sie nicht.” Jürgen Käfer, dem der größte Teil gehört, habe betont, dass er mit der Stadt auf keinen Fall ins Geschäft komme, Post-Besitzer OMD hat eigene Pläne. Zum Beispiel eine Kooperation mit Käfer und Bellinger, die sofort und ohne Probleme umzusetzen wäre, wenn es die Politik denn wolle. Eine Ansicht, die Ulrich Kleier teilt: „Die Stadt macht doch die Rechnung ohne den Wirt. Das darf sie nicht. Es nützt nichts, wenn wir noch mehr Zeit verlieren, zumal es ja offenbar andere, gute Lösungen gibt.”

Bei einem Fortgang des derzeitigen Vefahrens, so prognostiziert Bellinger, werde man im März nächsten Jahres feststellen, dass man nicht zusammen hat, was man benötigt, „und alles fängt wieder von vorn an”. Außerdem sei das Projekt so wirtschaftlich kaum zu betreiben. „Allein der Verkaufswert der zu erstehenden Immobilien liegt nach meiner Einschätzung bei 35 Millionen. Rechnet man die damit verbundenen Umgestaltungen in der City hinzu, wie etwa die Verlegung des Busbahnhofes, investiert MAB am Ende erstmal 120 Millionen Euro, die sie wieder reinholen müssten.” Was das für die Mieten zu bedeuten habe, könne man sich ja denken. Ein generelles Problem der Moerser Kommunalpolitik sei ihre Begeisterungsfähigkeit für große, bunte Projekte. „Man kann ihnen das nicht mal vorwerfen, es sind auf diesem Gebiet ja Laien. Aber sie entscheiden auch über die Geschicke der Stadt.”

Stadt: Subjektive Meinung ist nicht entscheidend

Dort zeigt sich Pressesprecher Thorsten Schröder ziemlich erstaunt: „Die Entscheidung, das Verfahren abzubrechen, kann nicht willkürlich getroffen werden. Die subjektive Meinung ist nicht entscheidend, sondern die Frage, ob die Ausschreibungskriterien erfüllt sind. Ansonsten kann es erhebliche Schadenersatzforderungen geben.”

Die Kriterien sind dem Vernehmen nach erfüllt, weshalb der Rat dem Investor MAB am 10. Februar den Auftrag erteilen, sich ein Jahr lang um die entsprechenden Grundstücke zu bemühen, ehe die Stadt als letzte ihren Turm an MAB verkauft. Wenn der Rat denn will.

Michael Passon und Thomas Wittenschläger

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