Penguin’s Days in Moers: Kafka, ganz verwandelt

l
l
Was wir bereits wissen
Das Figurentheater Maren Kaun legte am Mittwoch bei den Penguin’s Days die Latte für die Entscheidung am Donnerstag um die Vergabe des Goldenen Pinguins ziemlich hoch ...

Moers..  Oberstufenschüler, die einer Inszenierung von Kafkas „Verwandlung“ begeisterten Applaus spenden? Das hat Seltenheitswert. So gesehen legte das Figurentheater Maren Kaun am gestrigen Mittwoch bei den Penguin’s Days die Latte für die heutige Entscheidung um die Vergabe des Goldenen Pinguins ziemlich hoch ...

Schon das Schaukasten-Bühnenbild versprüht das morbide bürgerliche Großstadtflair Anfang des 20. Jahrhunderts. In einem ebenso bestechend funktionalen wie fantasievollen Sammelsurium an Kästen und Einrichtungsgegenständen mit Flohmarktflair lässt Maren Kaun die Zuschauer durch verschiedene Fenster in das Haus der Familie Samsa blicken und eröffnet so elegant immer wieder neue Schauplätze. Kerze aus, Stehlampe an, Vorhang auf, Tür zu – und das auf allerkleinstem Raum ...

Witzig, fantastisch und facettenreich das Spiel: Mal schlüpft die Schauspielerin selbst in Rollen, mal lässt sie comicartige Puppen agieren, mal erzählt sie Szenen der Geschichte von Gregor Samsa als Schattenspiel. Perfekt begleitet von eingespielter Musik (Johannes Frisch), die die Verwandlung des Familienernährers zum Chitin gepanzerten Untier sanft kratzend und schmatzend untermalt.

Eine nicht nur erfrischend anders, sondern gleichermaßen unterhaltsam und fesselnd gespielte Version eines Kafka-Klassikers, mit dem schon so mancher Schüler bitter gehadert hat. Davon war im Schlosstheater nichts mehr zu spüren.

Und spätestens beim Blick auf die im oberen Foyer präsentierte Ausstellung „Humane Insektologie“ der Maren Kaun erstaunlich ähnlich sehenden Sammlerin Maria Schoeps wurde klar: Wer sich Franz Kafka mit soviel Lust und Witz nähert, muss auch gutes Theater können ...