Palliativstation im Kamp-Lintforter St. Bernhard

Palliativmedizinerin Dr. Ute Becker (r.) im Gespräch mit einem Patienten
Palliativmedizinerin Dr. Ute Becker (r.) im Gespräch mit einem Patienten
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Eine moderne Station kostet rund 400 000 Euro. Der kaufmännische Direktor Josef Lübbers startete ein Fundraising-Projekt.

Kamp-Lintfort..  Es sind Geschichten wie die von Maria Müller (Name geändert), die selbst den erfahrensten Ärzten zu Herzen gehen. Geschichten, die den Blick über die Medizin hinwegleiten, geradewegs auf den Menschen, der sich ihnen anvertraut und der weiß, dass er sterben wird. Der Sorgen, Ängste und Schmerzen hat, in Würde gehen möchte. Und der dem Team um den kaufmännischen Direktor des St. Bernhard-Hospitals, Josef Lübbers, zeigt: Unser Weg ist richtig. Die Kamp-Lintforter wollen aus ihrer Palliativeinheit eine moderne Station machen – begleiten statt verwahren. Und sie lassen sich eine Menge einfallen, um es finanzieren zu können.

Krebs, unheilbar und erbarmungslos

Es war im November als Dr. Ute Becker eine Mail erhielt von Maria Müllers Tochter: „Meine Mutter wohnt allein in Ostfriesland, vor ein paar Wochen wurde ein metastasiertes Pankreaskarzinom diagnostiziert und ich würde sie gerne zur Therapie und weiteren Versorgung nach Kamp-Lintfort zu mir nehmen.“ Krebs, unheilbar, erbarmungslos. Dr. Becker erinnert sich: „Noch am gleichen Tag haben wir miteinander telefoniert und einen Plan zu medizinischen, sozialen und psychologischen Versorgung besprochen. Zwei Tage später wurde Frau Müller im Palliativbereich der Station 7b aufgenommen und wir lernten uns persönlich kennen.“

St. Bernhard-Chef Josef Lübbers spricht mit Feuereifer über das Groß-Projekt Palliativstation. Klar, der Mann ist Profi, aber diese Leidenschaft verrät Überzeugung. „Auch Menschen, die als austherapiert gelten, müssen nicht gleich in ein Hospiz. Das ist das Ziel. Ganzheitlich den Bedürfnissen eines schwerstkranken Menschen gerecht zu werden und ihm bestenfalls die Möglichkeit zu schaffen, noch einmal nach Hause zu kommen.“

Maria Müller fand in Kamp-Lintfort vor allem ein offenes Ohr. Die größte Belastung, sagte sie, seien natürlich die anhaltenden Schmerzen, vor allem das Wissen, dass ihre Erkrankung nicht heilbar sei. Außerdem quälte die Seniorin die Frage, ob sie es noch einmal schaffen würde, in ihr Zuhause nach Norddeutschland zurück zu gehen. Eine Bürde für ihre Familie wollte sie auf keinen Fall werden. So viele Sorgen. Dr. Becker leitete eine Schmerztherapie ein. „Frau Müller erhielt eine Schmerzpumpe, über die sie dauerhaft Schmerzmittel erhielt und sich selbst per Knopfdruck bei Bedarf eine zusätzliche Dosis verabreichen konnte.“ Dazu gab’s Krankengymnastik sowie Einreibungen und Massagen mit Aromaölen. Es half.

Josef Lübbers könnte viele solcher Geschichten erzählen. Er stellt fest: „Die Palliativmedizin ist in der Fläche unzureichend abgedeckt. Vor allem die räumlichen Strukturen sind meist nicht vorhanden, sowas geht auf einer Normalstation nicht.“ Lübbers meint damit, auch Angehörige, Kinder und Eltern direkt vor Ort mit einzubeziehen. Was der Geschäftsführer eines katholischen Hauses über Sterbehilfe denkt? Lübbers antwortet so: „Wir müssen erstmal unsere palliativen Hausaufgaben machen.“ Und dafür plant Kamp-Lintfort eine spezielle Station.

Zeit und Raum

Damit möglichst viele Menschen so und noch besser betreut werden können als Maria Müller. Neben der medizinischen Versorgung erhielten sie und ihre Angehörigen psychoonkologische Unterstützung, gemeinsam mit dem Sozialdienst konnte die häusliche Versorgung bei der Tochter organisiert werden. Dr. Ute Becker konnte die Visite bald als Spaziergang auf dem Krankenhausgang abhalten. „Dabei besprachen wir allerlei persönliche Dinge miteinander.“

Zeit. Palliativmedizin braucht Zeit und Raum. Und Geld. Josef Lübbers hat prominente Fürsprecher gewinnen können für sein Projekt, das 400 000 Euro kosten wird. Christiane Underberg, zum Beispiel, oder Bürgermeister Christoph Landscheidt sind Paten, zuletzt spendete die Firma Trox 10 000 Euro, 7000 gab’s aus der Charity-Aktion „Bewegen hilft“ von Volksbank-Chef Guido Lohmann, die Einnahmen des Adventsmarktes in Kamp fließen auf das Konto, das Niederrheinische Kammer-Orchester gibt bald ein Benefiz-Konzert. Die Idee überzeugt offenbar. „Wir starten bald ein Fundraising-Projekt, wir wollen das unbedingt stemmen.“

Maria Müller konnte übrigens noch ein gemeinsames Wochenende mit ihrer Tochter in ihrem eigenen Haus in Norddeutschland verbringen und ist dann zu ihrer Tochter nach endgültig Kamp-Lintfort gezogen.