Paddeln mit Steuermann auf dem Baerler Waldsee

Erik Klump (li) und Hubert Wenzel legen ab.
Erik Klump (li) und Hubert Wenzel legen ab.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Workshop: Wie Blinde und Sehbehinderte trotz ihres Handicaps Wassersport betreiben

Moers/Baerl..  „Man darf nicht daran denken, was man alles nicht mehr kann, sondern muss sich darauf konzentrieren, was statt dessen möglich ist“, betont Regina Huhnen, schnallt sich die Schwimmweste um und lässt sich zum Anlegesteg am Baerler Waldsee führen. Die 62-jährige Krefelderin ist seit 25 Jahren blind und trotzdem begeisterte Seglerin. Jetzt will sie auch mal das Paddeln probieren.

Deshalb war sie am Samstag eine von 16 Wassersportlerinnen und Sportlern, die auf dem See im Baerler Busch an einem Paddelkurs für Sehbehinderte teilnahmen. Das von der Blinden- und Sehbehindertenwassersportgemeinschaft mit dem WSV und dem Seglerverein Bayer Uerdingen initiierte und vom Deutschen Blindenhilfswerk (DBHW) finanziell unterstützte Projekt soll vor allem behinderten Seglern und Seglerinnen ermöglichen, andere Wassersportarten kennenzulernen: „Der Workshop bietet eine Plattform nicht nur zur sportlichen Betätigung, sondern ebenso für das Miteinander von behinderten und nicht behinderten Menschen“, sagt DBHW-Projektleiterin Simone Henzler.

Nach kurzer theoretischer Einweisung ging es am Samstag mit Übungsleiter Markus Kosinski zu den Booten. Blinde und hochgradig Sehbehinderte können und dürfen nur in einem mindestens zweisitzigen Boot mit einem nicht behinderten Steuermann paddeln. Der nimmt sie an die Hand und versucht, ihnen am Anlegesteg die Angst vor dem Einsteigen ins kippelige Boot zu nehmen. Da Blinde ihre Umgebung hauptsächlich über Gehör und Tastsinn erspüren, können sie schnell die Ausmaße des Bootes und das richtige Geräusch beim Paddeln herausfinden. Da sie selbst nicht steuern, besteht keine Gefahr, die Orientierung zu verlieren. Bei allem sind eine Schwimmweste und erfahrener Übungsleiter wie Markus Kosinski erforderlich. Am Samstag war es freilich ein kurzes Vergnügen: Paddeln im Nieselregen macht auch im Neoprenanzug wenig Spaß. Nächsten Samstag folgt der zweite Teil. Und am 4. Juli haben die Neu-Paddler im Rahmen einer Tagestour auf dem Baldeney-See in Essen Gelegenheit, das Gelernte in die Praxis umzusetzen.