Kommentar
Otfried machtlos
27.08.2010 | 18:27 Uhr 2010-08-27T18:27:00+0200Die Niag-Ehe zwischen dem Logistikriesen Rhenus Veniro und dem Kreis Wesel kriselt schon lange. Wieviel das Profitunternehmen von Treue hält, hat es mit der Zerschlagung der Verkehrsbetriebe in Minden bewiesen.
Bei der Niag ist es die Politik der kleinen Fehltritte, die aus Misstrauen blanke Angst werden lässt. Aber Angst hält wach. Lieber Aufsichtsrat, auch bei dir muss der Wecker geklingelt haben.
Wer dem Vorsitzenden Heinz-Dieter Bartels lauscht, muss sich glücklich schätzen, wenn er Kreis Weseler Bürger ist. Steuerzahler also, der doch begreifen sollte, wie gut sein Geld angelegt ist. Die Verluste sinken. Und dass ein schlankes Unternehmen effizient arbeitet, da kann doch niemand etwas dagegen haben. Nun ist Bartels, dessen CDU den Deal seinerzeit gemeinsam mit der FDP befördert hat, wohl Überzeugungstäter. Seine kompromisslose Verteidigung von Rhenus ist aber fehl am Platze.
Bei einem Partner, der die Belegschaft bewusst verunsichert, kompromisslos Mitarbeiter austauscht und berechtigte Anfragen der Presse geflissentlich ignoriert, sollte ein Aufsichtsrat gerade diese Wachsamkeit demonstrieren. Es geht nicht nur um öffentliche Gelder, sondern etliche hundert Angestellte, die sich im Vorstand ohnehin lange nicht mehr repräsentiert fühlen. Spätestens, seitdem der Niag-nahe Gregor Gasthaus ausscheiden musste, sitzt das Gesicht der Niag, Otfried Kinzel, zwei strammen Rhenus-Jüngern gegenüber. Otfried ist machtlos, wenn es hart auf hart kommt.
Und daran zweifeln nur noch Wenige. Rhenus, so die Befürchtung, habe es am Ende nur auf die lukrative Logistiksparte abgesehen. Den ÖPNV können auch Billiganbieter leisten. Gibt es in fünf Jahren noch Busse auf Landrouten? Spätestens, wenn die Haltestelle im Dorf verschwindet, kommt auch der Protest des Volkes. Dann ist es zu spät. Und, so zynisch es klingt: Wir haben auch noch dafür bezahlt.
09:56
Was hat Profitunternehmen mit Treue zu tun?
Defizite müssen ausgeglichen werden. Ein Unternehmen geht nämlich nicht in einen Nothaushalt und greift dann mit Phantasiesteueren den Steuerzahler in die Tasche, sondern geht schlicht pleite.
Davon haben unsere Politiker aber keine Ahnung oder verdrängen es.....
00:33
Lese ich da das Wort Profitunternehmen?
Vielleicht sollte man den Busverkehr lieber ehrenamtlichen und gemeinnützigen Vereinen überlassen, oder wie?
Wilkommen im Kapitalismus. SOZIALE Marktwirtschaft, davon haben wir vielleicht ettliche Jahrzehnte geträumt, aber der Traum ist fast schon so ausgeräumt, wie die sozialistischen Träume im Arbeiter und Bauernstaat.
Trotzdem gut, dass es den Artikel gibt. Nur Öffentlichkeit kann ein bisschen gegen solche Profitunternehmen erreichen. Und Abstrafung durch den Verbraucher, was bei einem Monopolisten leider sehr schwer möglich ist wenn man auf den Bus angewiesen ist.