Odelo-Chef schlägt Einladung nach Kamp-Lintfort aus

Kamp-Lintfort..  Große Enttäuschung für die Mitarbeiter und den Betriebsrat von Odelo: Ahmet Bayraktar, der Chef der Unternehmensgruppe, die zwei Drittel der 150 Stellen am Standort Kamp-Lintfort streichen will, hat die Einladung in das Werk an der Carl-Friedrich-Gauß-Straße ausgeschlagen. In einem knapp gehaltenen Brief an den Betriebsrat beendet der Vorstandschef des LED-Herstellers jegliche Hoffnung auf einen Erhalt der Arbeitsplätze.

Der Betriebsratsvorsitzende Jörg Lehmann, Bürgermeister Christoph Landscheidt, der Bundestagsabgeordnete Hans-Ulrich Krüger und der Landtagsabgeordnete René Schneider hatten, wie berichtet, Ahmet Bayraktar in einem Brief an den Sitz der Unternehmensgruppe in Istanbul nach Kamp-Lintfort eingeladen. Ziel war es, Bayraktar die Folgen einer Teilschließung deutlich zu machen und ihn von der Leistungsfähigkeit des Werkes zu überzeugen.

Doch offenbar konnte dies den Odelo-Boss nicht erweichen. Wie Betriebsrat Lehmann auf Anfrage bestätigte, bestätigt Bayraktar in seiner Antwort die Unternehmensentscheidung. Der harte Schnitt sei für das Überleben des Automobilzulieferers insgesamt notwendig. „Auf unsere Argumentation und die Einladung geht er mit keinem Wort ein“, berichtet Lehmann. Auch sein Versuch, mit Ahmet Bayraktar telefonisch ins Gespräch zu kommen, sei erfolglos gewesen.

Der einseitige, in Englisch verfasste Brief hängt inzwischen im Kamp-Lintforter Werk aus. Bayraktars Reaktion sei „ernüchternd“, erklärt Lehmann, der allerdings auch hinzufügt, dass viele Kolleginnen und Kollegen nichts anderes erwartet hätten. Der Tenor sei bei vielen vorher schon gewesen: „Das bringt eh’ nichts.“ Im Betriebsrat hatte man sich erhofft, dass ein Besuch die Position der Belegschaft zumindest bei den Sozialplanverhandlungen und der Forderung nach einer Transfergesellschaft stärken würde. Deren Vorteil besteht darin, dass sie die Mitarbeiter maximal ein Jahr beschäftigt und diese sich nicht aus der Arbeitslosigkeit heraus um neue Stellen bewerben müssen.

100 der 150 Jobs will der LED-Hersteller in zwei Schritten bis Ende des Jahres in Kamp-Lintfort streichen und in Billiglohnländer verlagern. Wie sicher die verbleibenden Jobs am Standort sind, ist unklar.