Odelo: Arbeitslos trotz Loyalität?

Kamp-Lintfort..  Nach den angekündigten Stellenstreichungen bei dem LED-Hersteller Odelo hat sich Bürgermeister Christoph Landscheidt zusammen mit dem Bundestagsabgeordnetem Hans-Ulrich Krüger und dem Landtagsabgeordnetem René Schneider mit der Belegschaft solidarisiert.

Landscheidt, Krüger und Schneider wenden sich gemeinsam mit Betriebsratsvorsitzendem Jörg Lehmann in einem offenen Brief an den Holding-Inhaber Ahmet Bayraktar in Istanbul: „Mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren ihre Jobs und geraten in Existenznöte. Unter den betroffenen Beschäftigten sind auch mehr als 10 türkische Familien – Mitbürgerinnen und Mitbürger, denen am Standort Kamp-Lintfort – trotz des Rückzugs aus dem Steinkohlebergbau – in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten durch unser Engagement im Strukturwandel eine Perspektive geboten wurde“, heißt es in dem Schreiben. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten sich in den vergangenen Jahren über die Maße hinaus für das Wohl des Unternehmens eingesetzt. Die gesamte Mannschaft stehe ungebrochen hinter der Produktionsstätte in Kamp-Lintfort und arbeitet tarifungebunden. „Trotz dieser Loyalität sollen diese Menschen nun für Fehlentscheidungen von ehemaligen Geschäftsführern die Konsequenzen tragen. Für die Zukunft der Belegschaft und deren Familien bitten wir Sie, Ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken und uns damit die Hoffnung zurückzugeben, Ihren Standort in Kamp-Lintfort weiterführen zu dürfen“, so die Unterzeichner.

Einladung nach Kamp-Lintfort

Bürgermeister Landscheidt hat darüber hinaus Unternehmenschef Bayraktar eingeladen, sich vor Ort ein Bild vom Kamp-Lintforter Standort und dessen hohen Stellenwert für die Stadt zu machen. Der Betriebsratsvorsitzende Jörg Lehmann hofft darauf, dass man Bayraktar auf diese Weise emotional ansprechen kann. Dass deshalb die unternehmerische Entscheidung komplett zurückgenommen wird, bis zum Jahresende zwei Drittel der Arbeitsplätze in dem Werk an der Carl-Friedrich-Gauß-Straße, daran mag Lehmann kaum glauben, aber: „Ich hoffe, dass eine emotionale Reaktion, ausgelöst durch einen Besuch in Kamp-Lintfort, uns bei den Verhandlungen um Interessenausgleich und Sozialplan stärkt.“ Die Gespräche mit der Geschäftsführung seien noch in Informationsphase. Der Betriebsrat hat einen Sachverständigen eingeschaltet, der die Wirtschaftszahlen der Geschäftsführung prüft.