Noch ist es ein Traum: Das Rathausquartier in Kamp-Lintfort

Die bunten Riesen (rechts) sollen fallen.
Die bunten Riesen (rechts) sollen fallen.
Foto: Hans Blossey
Was wir bereits wissen
Vor dem ersehnten Abriss der Nau-Bauten, bunte Riesen genannt, steht jedoch die Zwangsversteigerung in der kommenden Woche

Kamp-Lintfort..  Von seinem Dienstzimmer aus kann Dr. Christoph Landscheidt sie immer sehen: die bunten Riesen. Und sie gefallen ihm nicht. „Das war damals städtebaulich angesagt“, will er seine Vorgänger nicht schelten. Aber wenn der Bürgermeister die Augen zumacht, sieht er an dieser Stelle etwas anderes: Viel Grün, bestimmt auch citynahes Wohnen, aber „mit Sicherheit nicht“ mit zehn Stockwerken. Der jetzt wenig attraktiv zugepflasterte Rathausplatz und das Rathaus-Center werden mit einbezogen in das dann schöne und gemütliche Quartier. Geschäfte sollen dort nicht mehr hin. Geförderter Wohnungsbau durchaus, sofern „es wirtschaftlich ist“, sagt Landscheidt.

Es hat vor einem Jahr einen Ideenwettbewerb dazu gegeben, die Pläne liegen quasi in der Schublade. Das Land fördert solche städtebaulichen Entwicklungen mit 80 Prozent. Und mit dem Abriss der weißen Riesen, an deren Stelle jetzt das EK3 steht, hat Kamp-Lintfort gezeigt, dass die Stadt so etwas kann und dass die Bürger es annehmen.

Die Sache hat einen Haken. Die bunten Riesen gehören der Stadt nicht. Noch nicht, möchte Bürgermeister Landscheidt am liebsten sagen. Genau wird er es am 5. März wissen, dann ist der zweite Versteigerungstermin. Der erste im November war geplatzt, weil die Stadt Kamp-Lintfort zwar zwei Millionen Euro für den Komplex geboten hatte, das aber unter dem Mindestgebot lag. Die Hälfte des gutachterlich festgestellten Verkehrswertes von 7,6 Millionen hätten es sein müssen. Wobei Landscheidt den Verkehrswert der Nau-Bauten für „völlig unrealistisch“ hält. Nau-Bauten? Ja, die Hochhäuser hat der Investor Ottmar Nau vor gut zehn Jahren gekauft, der ist bekanntlich mit seinen gewagten Finanzjonglagen vor zwei Jahren pleite gegangen. Gammelige Nau-Bauten hat auch die Stadt Neukirchen-Vluyn am Bein. Sebastian und Hans-Jorg Ollbrich haben dort Ende des Jahres als Gläubiger bei der Zwangsversteigerung der Nau-Bauten mit über acht Millionen einen Preis bezahlt, den nicht wenige als „zu teuer“ betrachteten. Aber Vater und Sohn sahen so eine Chance, wenigstens ein bisschen von ihrem Geld wiederzusehen.

Das wiederum treibt Landscheidt Sorgenfalten auf die Stirn: Was, wenn so was ähnliches mit den Kamp-Lintforter Nau-Bauten passiert? Wenn einer „dazwischen grätscht“ mit einem hohen, für die Stadt zu hohen Gebot. Und der dann nicht selbst entwickeln will, sondern weiter vermieten. Dann wäre der Traum womöglich ausgeträumt vom neuen Rathausquartier.