Niag verabschiedet Otfried Kinzel
20.12.2010 | 17:37 Uhr 2010-12-20T17:37:00+0100
Moers.Kennen Sie den Witz mit dem Pfarrer und dem Busfahrer? Nicht? Macht nichts, die meisten Gäste auf der verabschiedung des langjährigen Niag-Vorsitzenden Otfried Kinzel auch nicht. Also: Beide stehen vor der Himmelspforte, der Busfahrer darf hinein, der Pfarrer nicht.
Und ist entsetzt: „Ich habe doch mein ganzes Leben Gott gewidmet.“ Da erklärt Petrus: „Wenn du gepredigt hast, sind alle eingeschlafen. Wenn er aber gefahren ist, haben alle gebetet.“ Launig gab sich Landrat Ansgar Müller und bemühte bei seiner Laudatio auf Kinzel immer wieder das Bild des Busfahrers, der aussteigt, weil er weder den neuen Fahrplan noch den neuen Fahrstil schätzt. Das traf.
Nach fast 18 Jahren auf der Kommandobrücke der Niederrheinischen Verkehrsbetriebe nimmt der beliebte Macher in zehn Tagen seinen Hut. Vier Jahre früher als persönlich geplant, weil er nicht mehr im Sinne seiner Angestellten gestalten konnte. Dem privaten Mehrheitseigner Rhenus Veniro bei einem Stimmenverhältnis von eins zu zwei im dreiköpfigen Vorstand machtlos ausgeliefert zu sein, sich im gnadenlosen Umstrukturierungsprozess des mächtigen Logistikriesen nicht mehr effektiv vor seine Mannschaft werfen zu können, das alles hatte am Ende wohl mehr zermürbt, als er öffentlich zugeben wollte. Denn eines blieb der 59-Jährige bis zum Schluss: loyal seiner Niag gegenüber, um Schaden von außen abzuwenden.
Danach klangen denn auch die Laudatoren. Aufsichtsratschef Heinz-Dieter Bartels bezeichnete seine Zusammenarbeit mit Kinzel als „immerwährende Lehrzeit“, Betriebsrat Harald Winter wollte sich nicht für die Einladung bedanken: „Denn man nimmt uns Beständigkeit, Zuverlässigkeit und Rückhalt.“
Er bleibt als Berater
in FH-Fragen erhalten
Kinzel selbst, der fortan als Teilzeit-Geschäftsführer der Kommunalen Wasserwerke in Rheinberg agiert und seiner Niag beratend in FH-Fragen erhalten bleibt, blieb auch in der Stunde des Lobes auf die ihm eigene Art demütig. Er bezeichnete seinen Abgang als „Endpunkt einer überraschenden Entwicklung“ und zitierte den Krefelder Ex-Ob Pützhofen in dessen Credo, dass „Private in einer solche Partnerschaft niemals mehr als 49 Prozent halten“ dürfen. Natürlich, das ist Kinzel, trat er nicht nach. Stattdessen dankte er seiner langjährigen Sekretärin Regina Wulle für ihr Talent „die Funktion eines Logistikers mit dem eines Blitzableiters“ kombiniert zu haben.
Landrat Müller hatte auch noch einen Gruß an die „neuen Busfahrer“ im Gepäck: „Sie müssen beweisen, dass sie genauso gut steuern können wie Otfried Kinzel.“
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