Neukirchen-Vluyner Jugendfeuerwehr im 24-Stunden-Dienst

Szenario: Ein Handwerker ist auf einer Baustelle gestürzt und der Rettungsdienst hat „Trageunterstützung“ bei der Feuerwehr beantragt.
Szenario: Ein Handwerker ist auf einer Baustelle gestürzt und der Rettungsdienst hat „Trageunterstützung“ bei der Feuerwehr beantragt.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Die Jugendfeuerwehr absolvierte am Samstag ihren 24-Stunden-Dienst. Für die rund 30 Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren war das eine wichtige Übung - wie bei der Berufsfeuerwehr.

Neukirchen-Vluyn..  Arbeiten wie die Großen. Das war am Samstag das Motto für die Mitglieder der Neukirchen-Vluyner Jugendfeuerwehr. Auf dem Dienstplan der jungen Wehrleute stand ein 24-Stunden-Dienst. Wie bei der Berufsfeuerwehr. Heißt: Wenig Schlaf, Geschick, Organisationstalent und viel Arbeit standen für die rund 30 Teilnehmer im Alter von 12 bis 17 Jahren auf dem Plan. Los ging es am Samstag um 10 Uhr.

Leitstelle für die Jugendlichen war das Vluyner Gerätehaus. Von hier aus starteten sie zu ihren Einsätzen, hier erhielten sie Theorieunterricht über Unfallprävention und Rettungsmaßnahmen, hier führten sie Wartungs- und Reinigungsarbeiten an Fahrzeugen durch. 11 größere Einsätze und 14 weitere kleine Einsätze lagen samt Nachtschicht noch vor den Teilnehmern.

Keller unter Wasser

Eine halbe Stunde nach dem Antreten ging es direkt los: Ein Keller in Neukirchen-Vluyn stand unter Wasser, ein Pool mit 36 000 Litern Fassungsvermögen musste ausgepumpt werden. Um 12 Uhr wurde der nächste Alarm ausgelöst: Nach einem Leitersturz in einem Rohbau auf dem Kreide musste der „Verletzte“ auf einer Trage unfallfrei eine Treppe hinunter und dann hinaus getragen werden. Dabei blieb auch der Lerneffekt nicht aus, denn während die Jugendlichen den Probanden auf der Liege befestigten, erklärte Betreuer und Oberbrandmeister Dennie Kessel den Teilnehmern die Vorgehensweise.

Dazu gehörte etwa die richtige Körperlage, das Gespräch mit dem Notarzt und das Fühlen des Pulses. Dass es sich um einen geplanten Einsatz und nicht um einen Ernstfall handelte, war niemandem anzumerken. Alle waren mit voller Konzentration und Tatkraft dabei. Über das Funkgerät wurde wie im echten Feuerwehralltag Kontakt gehalten.

So auch beim nächsten Fall um 15 Uhr: Ein Laster hat ein Fahrrad überrollt. Dabei wurde eine Puppe im Fahrrad verklemmt und leicht unter dem Lkw platziert. Die Jugendlichen mussten den Dummy retten. Fünf Stunden später, um 20 Uhr, dann der Höhepunkt der 24-Stunden-Übung. Am Minhorstweg brannte eine drei mal drei Meter große Gartenlaube. „Dafür haben wir tatsächlich ein Feuer gelegt, was vorher durch das Ordnungsamt genehmigt wurde“, erklärte Unterbrandmeister Bastian Beck.

Brand in der Laube

Im Laufe des Tages standen zudem ein Garagenbrand mit Nebelmaschine und Kleinbrände mit Rauchbomben auf dem Plan. Eine verdächtige Person, die angeblich von einem Dach springen wollte, stellte sich als blinder Alarm heraus. Auch in der Nacht war an Schlaf nicht zu denken: Eine Personensuche nach einem Vermissten im Wald trieb den Feuerwehrnachwuchs aus den Betten.

Die Jugendlichen aus Rayen, Niep, Neukirchen und Vluyn arbeiteten im Team. „Wenn sie später mal zu echten Einsätzen ausrücken, kennen sie sich aus und wissen, wie sie mit anderen Einheiten zusammenarbeiten können“, erklärte Stadtbrandinspektor Lutz Reimann. „Ein geschulter Blick für die Situation vor Ort und strukturiertes Handeln sind wichtige Dinge, die sie hier in den verschiedenen Übungssituationen lernen.“