Neukirchen-Vluyn: Springmaus ließ die Puppen tanzen

Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Improvisationskünstler begeisterten im Klingerhuf mit einem Programm für Jecken und Jeckenhasser.

Neukirchen-Vluyn..  Ach ja die Karnevalszeit steht vor der Tür, oder besser gesagt, wir sind mitten drin. Der eine liebt sie, der andere bekommt schon bei der Vorstellung eine finstere Miene. Wenn sich diese gegensätzlichen Einstellungen irgendwie mit einander vereinen sollen, muss in jedem Fall eines erfüllt sein: Alle beteiligten brauchen Humor und eine Portion Selbstironie. Das Karnevalsprogramm der Springmaus verspricht genau dies, nämlich Jecken und Jeckenhasser mit ein und demselben Programm glücklich zu machen. Mit selbigem gastierten die Improvisationskünstler in Neukirchen-Vluyn.

Simpel, aber effektiv

Keine einfache Aufgabe, wenn man bedenkt, dass der Schwerpunkt aller Springmausshows auf reiner Improvisation beruht. „Ihr sagt uns was, wir machen was und am Ende tun wir alle lachen“, erklärte Norbert Frieling das simple, aber effektive Konzept. Das Publikum wurde stets mit einbezogen, die Menschen durften Schlagworte reinrufen oder wurden zur Freude der anderen Besucher auf die Bühne geholt: „Wer am meisten wegguckt, der kommt dran“.

Eisbrecher

Veranstaltungsort war am Samstagabend das Sport- und Freizeitcenter Klingerhuf. Ein rundum entspannter Abend und doch sorgte die Tatsache, dass die Akteure selbst ja nie wissen konnten, was als nächstes geschehen würde, für zusätzliche Aufmerksamkeit und Spannung. Für die Show wurde die Tennishalle des Klingerhufs in ein Theater verwandelt und der große Raum war restlos besetzt. Das Eis brach Norbert Frieling mit charmanten Sprüchen über die umliegenden Städte und Dörfer: „Das klingt ja so als hätten da alle dieselbe Omma“.

Natürlich stand er nicht alleine auf der Bühne, das Programm wurde von einem Trio gestemmt. Neben Norbert Frieling zeigten auch Vera Passy und Paul Hombach ihr Können. Das Springmaus- Improvisationstheater lebt dabei von Situationskomik und starken Gesten. „Unterleib bis zum Knie, ich kenne den Bereich“. So ließen sich die Akteure beispielsweise wie Puppen von auserwählten Besuchern steuern und erfanden dazu lustige Dialoge über Sahneschnittchen und Laubfroschkostüme. Musikalisch waren die drei ebenfalls spontan unterwegs. So komponierten sie schnell einen Song aus einer Auswahl von Zurufen, darunter: ein erfolgreicher Anmachspruch, „Lothar Matthäus“ und die zweiten Textzeile eines Karnevalsliedes.

Als Paul Hombach um ein bekanntes Karnevalslied bat, um es in verschiedenen Genres vorzusingen, dachten vermutlich alle, er würde sich für einen der vorgeschlagenen Evergreens entscheiden. Weit gefehlt, er entschied sich für „Wenn dich mal das Mäuschen beißt, dann weißt du erst was Leben heißt“, einen Song den anscheinend nur ein Mensch aus dem Publikum kannte und den er selbst unmöglich kennen konnte.Trotzdem zauberte er mit Hilfe seines Keyboards eine fetzige Rockversionen über das Mäuschen, sang es in der Udo Lindenberg- und Bob Marley-Version „Youknowwhat live isaboutatata“ und erfand sogar einen neuen Schlagerhit. „Schlager sind schwierig, denn man muss aus wenig noch weniger machen“, witzelte er.

Nicht aus der Ruhe zu bringen

Eine bekloppte Jamsession, die ihre Wirkung beim Publikum nicht verfehlte. „Ich finde es super, wie die drei auf die Stimmung im Saal eingehen können“, sagte Sabine Glaser, die das Theater mit ihrer Freundin Heidi Hillen besuchte. „Er hat sich gar nicht aus der Ruhe bringen lassen“, sagte Heidi Hillen über den musikalischen Soloauftritt von Paul Hombach. Nicht nur die Damen aus Moers hatte das Springmaus-Theater an diesem Abend am Ende überzeugt, sondern auch viele hundert weitere Besucher.