Neukirchen-Vluyn: Ein Dorf muss sich neu erfinden

Ein letztes Bierchen.
Ein letztes Bierchen.
Foto: privat/Ohms
Was wir bereits wissen
Im Dorf Neukirchen haben etliche Geschäfte geschlossen, jetzt macht das Alt Derp zu. Nun sind kreative Lösungen gefragt, wie sich der Bereich rund um die Hochstraße beleben lässt.

Neukirchen-Vluyn..  Am Sonntagabend gab es noch ein letztes Bierchen mit den Stammgästen. Jetzt hat das Alt Derp die Türen geschlossen. „Am Schluss gab es nur noch warmes Flaschenbier, weil das Fass leer war“, sagt Rainer Mantei. Es habe sich ja herumgesprochen, insofern war die Kneipe gut gefüllt. Mantei: „Die Stimmung war ein bisschen wehmütig.“

Dass nach all dem herrschenden Leerstand nun auch noch eine der traditionellsten Kneipen schließt, ist ein herber Schlag für das Dorf. Dazu der Blick nach vorn auf die Kanalsanierung im kommenden Jahr und die damit verbundenen Risiken für die wenigen Geschäftsleute, die noch am Ort sind. Da verwundert es nicht, dass die Stimmung bei etlichen der Dorfbewohner offenbar an einem tiefen Punkt angekommen ist. Von der Aussicht auf eine Belebung mag man hier und da nicht mehr ausgehen. Das kann und will der Wirtschaftsförderer der Stadt nicht wegdiskutieren. Gleichwohl stellt Hans-Willi Pergens heraus, dass Anfang März das Verfahren zur Bebauung der Fläche des Erziehungsvereins gestartet wird. Dort soll ein Lebensmittelmarkt gebaut werden. Das ist ein guter Schritt, vermag aber allein das Dorf nicht zu retten.

Pergens blickt nach vorn: „Der Ortskern sucht nach einer neuen Funktion.“ Die Stadt hat bei der Bezirksregierung einen Antrag auf Fördermittel für das Dorf Neukirchen und den angrenzenden Geltungsbereich gestellt. Und Pergens gibt sich zuversichtlich, dass der Antrag positiv beschieden werden könnte. Das würde die Finanzierung der diversen Maßnahmen aus dem „Integrierten Handlungskonzept“ für das Dorf wesentlich erleichtern, da die Stadt selbst von einem beträchtlichen Anteil der Kosten entbunden wäre.

Beim Wort Kosten horchen auch die Anwohner auf. Schließlich werden sie im Zuge der Kanalsanierung mit anschließender Straßenwiederherstellung auch zur Kasse gebeten. „Wie konkret wir in die Kostenplanung gehen, steht noch nicht fest“, sagt Pergens. Im Sommer wisse man mehr dazu. Jetzt berät zunächst die Politik über das weitere Vorgehen. Am Donnerstag, 19. Februar, soll es einen Workshop mit Anwohnern und Interessierten geben. Hier sind Ideen von kreativen Menschen gefragt. Davon gibt es schließlich reichlich im Dorf.

Und weil zu einem Dorf eine Kneipe gehört, haben die Stammgäste überlegt. Eine Idee sieht vor, ein Angebot auf halböffentlicher Vereinsebene aufrechtzuerhalten. SPD-Fraktionschef Jochen Gottke gehört dazu und sagt: „Ich bin dran.“ Die Schnapsidee habe eine Nacht überdauert. Gottke: „Irgendwas müssen wir machen.“