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Neuer Preis wird heiß diskutiert

01.04.2008 | 20:13 Uhr

FREIZEIT. Saunagruppe lud den Beigeordneten und den Badmanager ein. Ein Kurzzeit-Tarif soll mehr Gerechtigkeit bringen.

NEUKIRCHEN-VLUYN. 30 Damen proben den Aufstand. Gestern Morgen in der Sauna des Freizeitbades an der Tersteegenstraße. Grund: Der Eintritt stieg von 10 auf 14 Euro. Also kamen die Frauen nicht nur zum Schwitzen ins Bad. Sie hatten den Beigeordneten Paul-Georg Fritz und Badmanager Bernhard Brunnen geladen, um ein ernstes Wort mit ihnen zu reden.

Heute sind nur halb so viele da

Jeden Dienstag Morgen treffen sich die Frauen zur Damensauna. Seit 14 Jahren schwitzen sie gemeinsam. "Aber heute sind nur halb so viele hier, aus Protest gegen die Preiserhöhung", sagt Margret Dettmann aus Moers.

"Wir sind nur von 9 bis 13 Uhr hier und sollen ab jetzt genauso wie Ganztagsgäste 14 Euro zahlen. Das ist wirklich ungerecht", erklärt Marianne Aldrian aus Neukirchen.

Manch Ungemach habe man in den letzten Jahren ertragen müssen. "Von den defekten Duschen einmal abgesehen. Wir haben auch während des Umbaus gelitten. Aber wir haben nie geklagt." Zudem: "All das Geld für die Erweiterung hätte man sich sparen können. Einige kleinere Verbesserungen hätten gereicht. Von der schleichenden Service-Minderung ganz zu schweigen", zählt Elke König aus Kamp-Lintfort auf.

Die Frauen sind kompromissbereit: "Wir möchten einen Kurzzeittarif, der sich vom Ganztagseintritt unterscheidet. Dann wären wir schon zufrieden", schildert Inge Beer aus Neukirchen. "Wir sehen ja ein, dass es eine Preiserhöhung geben muss."

Paul-Georg Fritz hatte alle Mühe, die energischen Frauen zu überzeugen. Er sprach von steigenden Energiekosten, vom 20-Millionen-Schuldenberg der Stadt und dem jüngsten Ratsbeschluss zur Preiserhöhung. "Das Schwimmbad soll für die Gesundheit der Bürger erhalten bleiben", so der Beigeordnete. Ziemlich einhellig seien aber die Ratsmitglieder der Meinung, die Sauna zu privatisieren oder ganz dicht zu machen. Was Margret Dettmann erbost: "Unsere Sauna ist doch kein Luxus. Auch sie dient schließlich der Gesunderhaltung. Wir sind beispielsweise nie erkältet."

Die Rechnung leuchtete nicht ein

Die Rechnung des Beigeordneten und der Rates leuchtete den Frauen nicht ein. 100 000 Euro spart die Stadt zwar mit dem neuen Saunaeintritt ein. "Aber das reicht doch vorne und hinten nicht zur Deckung des Defizits. In welcher Stadt arbeiten die Bäder kostendeckend? Ich kenne keine", so Marianne Aldrian.

"Im Spaßbad Pappelsee in Lintfort kostet der Eintritt nur acht Euro", hat Elke König festgestellt. Aber eigentlich will keine der "Dienstags-Frauen" das Bad wechseln. Alle lieben die gemütliche kleine Sauna im Freizeitbad. "Unsere Gruppe will zusammen bleiben und nicht in alle Winde zerstreut werden. Bei uns geht's familiär zu. Wir halten seit Jahren zusammen, feiern Jubiläen, Geburtstage und andere Feste", schildert Elisabeth Bergmann aus Krefeld.

Ganz besonders stolz ist die Gemeinschaft auf ihr ältestes Mitglied: die 91-jährige Eleonore Stöckel, die seit 14 Jahren mitschwitzt. Ihr Kommentar: "Sie haben uns schon das Freibad genommen, und dann die Zechensauna. Jetzt das..."DIE ZAHLENDas Schwimmbad fährt jährlich 400 000 Euro Schulden ein, die Sauna 300 000 Euro. Jeder Saunabesuch wird mit 15 Euro bezuschusst. Diese Zahl konnte der Politik lange nicht vorgelegt werden und wurde erst durch die jüngste Schließung des Bades offenkundig, als der Saunabetrieb weiterlief. Paul-Georg Fritz und Bernhard Brunnen werden die Anregungen der Frauen in den Bäderbeirat tragen. Das Gremium tagt am 16. April. (Hm.)

KLARA HELMES

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