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Von links: Adell Sliwa, Mohammad Fadloun, Elie Azzi, Mohammad Alkassab und Hayat Ketfi.
Von links: Adell Sliwa, Mohammad Fadloun, Elie Azzi, Mohammad Alkassab und Hayat Ketfi.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Beim „Bunten Tisch“ koordiniert Hayat Ketfi die Hilfen für die Flüchtlinge. Das größte Problem ist die Sprachbarriere - die Sprachkurse sind überfüllt.

Moers..  Mohammad Alkassab hat einen Traum. Er, der 40-jährige Orientalist und Dozent für Arabisch als Fremdsprache an der Universität von Aleppo, will promovieren, „seinen Doktor machen“, wie es umgangssprachlich heißt. Auch Mohammad Fadloun hat ein akademisches Ziel vor Augen: Der 26-jährige Student der Geografie im achten Semester will sein Studium beenden. Und Elie Azzi, der 29-jährige Maschinenbauingenieur mit Universitätsabschluss, träumt davon, endlich in seinem Beruf arbeiten zu können. Sie – und mit ihnen noch viele andere Akademiker – sind als Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten in Moers gestrandet. Und sie alle suchen Hilfe beim Bunten Tisch, bei Hayat Ketfi, der neuen Koordinatorin für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe.

„Wir haben hier auch Ärzte und Anwälte.“ Hayat Ketfi kennt die Menschen, die in den Flüchtlingsunterkünften leben, versucht ihnen zu helfen, so gut es geht. Die Schlüsselqualifikation, welche die Flüchtlinge für eine neues Leben benötigen, ist die Sprache.

Beim „Bunten Tisch“ arbeitet man an dem Problem: „Mittlerweile haben wir fünf Sprachkurse, teilweise zwei Mal am Tag“, erläutert Ketfi; hinzu kommen Alphabetisierungskurse. Im Juni letzten Jahres startete der erste Kurs mit zehn Teilnehmern, nun sind es rund 150, und „die Listen wachsen tagtäglich.“ Die Flüchtlinge wissen, dass sie nur mit guten Deutschkenntnissen weiter kommen.

Die Post kommt auf Amtsdeutsch

Die 30-jährige studierte Sozialarbeiterin versucht zu helfen, wo sie kann. „Alle unter 16 Jahren sind schulpflichtig, aber was machen die, die ein Abitur haben und studieren möchten?“ Hinzu kommt, dass alle Flüchtlinge Post von den Behörden auf Amtsdeutsch erhalten – was selbst Deutschen manchmal doch recht unverständlich erscheint. Anträge müssen ausgefüllt, Fristen eingehalten, Unterlagen beigebracht werden – wer keine Hilfe bekommt, der ist im Behördendschungel oft rettungslos verloren.

Es sind schon kleine Erfolge, die bei Hayat Ketfi und ihrer Kollegin beim „Bunten Tisch“, Adell Sliwa, für Begeisterung sorgen. „Zwei Flüchtlinge haben eine Wohnung gefunden.“ Aber zwei von wie vielen? Die Lebenssituation in den Flüchtlingsunterkünften ist mehr als unbefriedigend, das wissen alle; aber der Weg in ein normales Leben ist für die Flüchtlinge schwer, sehr schwer.

Noch braucht es einen Dolmetscher

Hayat Ketfi koordiniert all die kleinen und großen Hilfen, die Organisationen, aber auch Privatpersonen anbieten. Mohammad Alkassab weiß die Hilfe, die ihm in Moers zuteil wird, sehr zu schätzen: „Wir sind dieser Organisation unheimlich dankbar. Sie sind immer bereit zu helfen.“ Noch benötigt der Dozent Hayat Ketfi als Dolmetscherin, um diese Worte einem Journalisten in die Feder zu diktieren. Doch es wird sicher nicht mehr lange dauern, und er wird diese Hilfe nicht mehr benötigen.