Nau-Bauten in Neukirchen-Vluyn sind schon wieder verkauft

Neukirchen-Vluyn.
Neukirchen-Vluyn.
Foto: Waz FotoPool
Was wir bereits wissen
Bisheriger Eigentümer Sebastian Olbrich bestätigt: Familie zieht sich aus dem Engagement in Neukirchen-Vluyn zurück. Die Sanierungsarbeiten sollen fortgesetzt werden, heißt es.

Neukirchen-Vluyn.. Paukenschlag in Neukirchen-Vluyn: Der Eigentümer der Nau-Immobilien hat die Gebäudeensembles schon wieder verkauft. Wie Sebastian Olbrich der NRZ gestern bestätigte, zieht sich die Familie aus dem Engagement in Neukirchen-Vluyn zurück. Sie hat die beiden gegründeten Gesellschaften, die Vluyn Immobilien UG und die PAB UG, veräußert. Damit geht das komplette Portfolio dieser Gesellschaften in neue Hände über.

Als Begründung für die Veräußerung führt Olbrich unter anderem familiäre Gründe an. Darüber hinaus äußert er massive Kritik an der Politik. „Wir wollten nicht zum politischen Spielball werden“, betonte Olbrich junior mit Blick auf den offenkundig auch für ihn bereits wahrnehmbaren Bürgermeisterwahlkampf.

Wie er weiter ausführt, habe es mehrere Interessenten gegeben. Man habe sich letztlich für den Investor entschieden, der den „Geist unseres Konzeptes“ weiterführen wolle, wie er sagte. „Wir sind überzeugt, dass sich das Ensemble gut entwickeln lässt“, zeigt sich Olbrich gewiss. Über den Kaufpreis wollte er sich nicht äußern.

Immobilienfirma aus der Schweiz

Nach NRZ-Informationen haben die Olbrichs einen Teil der ausstehenden Gelder für diverse Abgaben an die Stadt – die Rede ist von rund 1,8 Millionen Euro – kürzlich an das Gericht gezahlt. Über einen weiteren, kleineren Teil besteht offenbar noch keine Einigung.

Wie es heißt, sollen die Sanierungsarbeiten an den Gebäuden rund um den Vluyner Nordring und um den Kiefernweg fortgesetzt werden. Bei dem neuen Eigentümer soll es sich dem Vernehmen nach um eine große Immobilienfirma handeln, die ihren Hauptsitz in der Schweiz und einen Deutschland-Sitz in Köln hat. Auf Nachfrage der Redaktion wollte der für Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens zuständige Sprecher „das nicht kommentieren“.

Die Familie Olbrich hatte die Nau-Immobilien erst Anfang Dezember des vergangenen Jahres im Zuge des Zwangsversteigerungsverfahrens für 8,2 Millionen Euro erworben. Das Wertgutachten für das Ensemble soll eine Höhe von 4,1 Millionen Euro gehabt haben. Allein der Grundstückswert soll nach NRZ-Informationen jedoch offenbar deutlich höher, im zweistelligen Millionenbereich, liegen.

Zuletzt gab es Aufregung und Irritation um die Nau-Häuser, als die Olbrichs im Zuge einer Massenkündigung Anfang des Jahres rund 120 Kündigungsschreiben an ihre Mieter verschickt hatten. Der Mieterschutzbund hatte sich seinerzeit eingeschaltet. Die Politik war alarmiert, stritt sich allerdings über das sinnvolle weitere Vorgehen.

Nach diversen Gesprächen hatte sich auf Anregung des Mieterschutzbundes eine Mietergemeinschaft zusammengeschlossen.

Deren Sprecher zeigten sich gestern auf Nachfrage der Redaktion besorgt über die neue Situation, mit der sie sich nun konfrontiert sehen. „Wir fangen komplett bei Null an“, befürchtete Dirk Biallas. Und natürlich brodelt die Gerüchteküche, dass nun womöglich gar nichts mehr gemacht würde. Zeitgleich sollen übrigens Mieter bereits eine Mieterhöhung von bis zu 100 Euro bekommen haben.

Bürgermeister Harald Lenßen sagte, er sei von den Olbrichs gestern per Mail über den Verkauf informiert worden. „Sobald ich einen neuen Ansprechpartner habe, wird man umgehend einen Termin abstimmen, um Gespräche zu führen“, kündigte Lenßen an. Er gehe davon aus, dass in den Wohnquartieren weiter saniert werde.