„Natürlich mache ich weiter“
08.09.2011 | 15:48 Uhr 2011-09-08T15:48:00+0200
Moers.Gudrun Tersteegen tritt nach ihrem SPD-Parteiaustritt Falschmeldungen entgegen. Erste Ratsnachrückerin will sie auch bleiben.
Wenn ein Kommunalpolitiker die Partei wechselt oder austritt – wie zuletzt Stefan Doll von der CDU zur FBG – interessiert das in der Regel nur im Mikro-Kosmos von Parteien und Verwaltung. Beim Abgang von Gudrun Tersteegen ist das anders. Die 48-Jährige ist durch ihr breites bürgerschaftliches und soziales Engagement vielfältig vernetzt. Und offenbar hat es bei ihrem Parteiaustritt ein letztes entscheidendes Missverständnis zwischen der Werbeexpertin und der SPD gegeben. „Anders als behauptet werde ich all meine Funktionen im Auftrag der Bürger behalten. Dazu brauche ich kein SPD-Ticket!“
Eigentlich wollte sie gar nichts kommentieren. Wozu auch? Der Moerser Parteiapparat und der quirlige, unangepasste Aktivposten, das passte eben nicht, was Kenner der Szene längst bemerkt hatten. Tersteegen aber ist Sprecherin der Lokalen Agenda und der Stadtteilinitiative „Mein Kapellen“, Vorstandsmitglied im Verein „Klartext für Kinder – Aktiv gegen Kinderarmut!“ und nicht zuletzt Vorsitzende des Nachhaltigkeitsbeirates. Und dass offenbar von der SPD übermittelt worden war, sie werde diesen Vorsitz aufgeben und habe überdies versäumt, ihren Stellvertreter Reiner Tyrakowski-Freese zu informieren, ist für Gudrun Tersteegen Grund genug, ein paar Dinge aus ihrer Sicht gerade zu rücken.
„Kann mich nun
noch freier kümmern“
Vor allem, „dass ich de facto nichts, aber auch gar nichts von meinem Engagement aufgeben werde. Im Gegenteil: Ich kann mich nun noch intensiver und freier um meine Themen kümmern.“ Es gehe ihr auch darum, zu zeigen, dass man – siehe SPD-Eintritt – Entscheidungen überprüfen und trotzdem weitermachen kann . „Das Gegenteil von Partei ist nicht gleichgültig.“ Und das werde auch von der Politik gewürdigt – wem das etwas bedeutet.
Tersteegen wurde noch auf Folgendes aufmerksam gemacht: Fällt ein Ratsmitglied der SPD, aus welchem Grund auch immer, aus, nimmt sie dessen Platz ein. „Das will ich natürlich nicht hoffen, aber wenn es so kommt, würde ich den Wählerauftrag wahr nehmen.“ Das, findet Tersteegen selbstbewusst, war kein Auftrag an die SPD, sondern an sie selbst. Die Familienmutter war in einem Bezirk angetreten, der traditionell haushoch der CDU zufällt und hatte den Sieg nur um wenige Stimmen verpasst. „Das war in Kapellen eine Wahl für bürgerschaftliches Engagement .“
„Bürgermeister will
keine Protokolle“
Viele, viele Anrufe habe sie in den vergangenen Tagen bekommen, unter anderem von Landrat Dr. Ansgar Müller. „Das hat mich gefreut und ermutigt, meinen Weg weiterzugehen.“ Sie habe ja kein Problem mit der SPD, „ganz im Gegenteil. Die Politik in Düsseldorf ist gut. Man wechselt ja jetzt nicht von heute auf morgen die Farbe“. Die Moerser SPD-Strukturen habe sie allerdings bis heute nicht verstanden.
Auf der anderen Seite gibt es auch Genossen, die Tersteegen nach ihrem Austritt zu viel Eigensinn und zu wenig Durchhaltevermögen attestieren. Sie kontert: „Ich hatte nie eine Chance. Das System ist nicht basisdemokratisch, sondern starr und sich selbst nährend. Da hat eine Handvoll Leute das Sagen und Punkt. Veränderungen waren für mich mittelfristig nicht erkennbar.“ Vielleicht, räumt Tersteegen ein, funktioniere das für andere. „Für mich eben nicht.“
Es gebe noch so viel zu tun Moers, und sie wolle mithelfen. „Mir ist schon bewusst, dass sich der Nachhaltigkeitsbeirat auch mit Themen befasst, die alles andere als sexy sind.“ Vordergründig ziehe man mit Klimaschutzmanagement und fair gehandelten Produkten keinen Hering vom Teller. Grundsätzlich gehörten diese aber zu den Themen einer modernen Stadt. „Als Mitarbeiterin der Stadtverwaltung wäre ich frustriert. Da wird seit Jahren geballte Kompetenz und Fachwissen angesammelt für eine nachhaltige Stadtentwicklung und dann gibt es weder von der Verwaltungsspitze noch von der Politik Rückhalt für eine Vernetzung von Wissen und eine Umsetzungsstrategie.“
Was sie gleichzeitig ärgere und motiviere, seien die vielen Lippenbekenntnisse, die es zum Thema gebe. „Die Stadt Moers will Fair-Trade-Stadt sein, schafft es aber nicht mal zum Neujahrsempfang, fair gehandelten Kaffee anzubieten.“ Da gebe noch einige Bretter zu bohren.
Und: „Es ist doch bezeichnend, dass der Bürgermeister nicht mehr die Protokolle aus dem Nachhaltigkeitsbeirat sehen will .“
22:57
Nachtrag:
Der Bürgermeister hat ja feine Freunde in der Ampel, denn nur daher kann die Info kommen, er lese die Niederschriften des NB nicht.
Ja - wer Parteifreunde hat, braucht keine Feinde mehr.
22:44
Hier irrt Frau Tersteegen doch mehrmals - keiner, der über einen Listenplatz in einen Rat einzieht hat diesen Platz alleine wegen seiner/ihrer Person erreicht. Deshalb heisst das auch Listenplatz. Noch schofeliger ist es, ein Ratsmandat zu behalten, wenn man die Fraktion oder Partei verlässt, für die man auf diesen Listenplatz kam.
Im Übrigen müssen bei Nachrückern die Vertrauensleute die von der Partei für die Listenwahl benannt wurden, die weitere Zugehörigkeit der Nachrückerin zur Partei oder deren Zielen bestätigen.Ob das für Frau Tersteegen hinhauen würde?
Was den Nachhaltigkeitsbeirat betrifft: In der Niederschrift der 1. Sitzung dieser Ratsperiode wird Frau Tersteegen als Sachkundige Bürgerin aufgeführt und in dieser Eigenschaft als Vorsitzende der NB gewählt. Im übrigen steht in der GO des NB auch nirgendwo, das Mein Kapellen ein Mitglied dorthin entsenden kann. Andere Infos habe ich nicht, lasse mich aber gerne belehren.
Seit ca. 2 Monaten ist Frau Tersteegen allerdings Vorsitzende eines AK der Agenda und als solche mitgliedsberechtigt im NB.
Und ob die Ziele des NB - Klimaschutz, Fair Trade im Rat besser umsetzbar sind, wenn die Vorsitzende mit der grössten Fraktion im Clinch liegt, wage ich zu bezweifeln.
Aber: Et kütt wie et kütt! Watt soll man sich da nen Kopf machen!
10:45
Gudrun Tersteegen for Bürgermeister