Mutmaßlicher Kopf einer Einbrecherbande steht in Moers vor Gericht

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Moers..  Der Hauptangeklagte dieses Verfahrens vor der auswärtigen großen Jugendkammer des Landgerichts Kleve ist noch keine 21 Jahre alt und hat bereits ein langes Vorstrafenregister: gefährliche Körperverletzung, gemeinschaftliche schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung. Zwei Mal stand er vor dem Schöffengericht und erhielt Bewährung. Nun räumte der derzeit in Haft Sitzende ein, der Kopf einer Einbrecherbande gewesen zu sein.

Lang war die Liste der Taten, die ihm Staatsanwalt Stefan Müller am Montag vorwarf: Einbrüche in Wohnungen und Firmen und Hehlerei werden der Bande zur Last gelegt, deren Anführer der 20-Jährige gewesen sein soll. Die Tatorte sind vorwiegend in Moers und Neukirchen-Vluyn zu finden, gestohlen wurde alles, was nicht niet- und nagelfest war: Bargeld, Schmuck, teure Uhren, Goldmünzen, BMW-Cabrios.

In einem Fall soll die Bande sogar versucht haben, über eine benachbarte Pizzeria in eine Spielhalle an der Homberger Straße einzubrechen, da man im Geldwechselautomaten der Spielhalle etwa 50 000 Euro vermutete. Dem Durchbruch durch die Wand der Pizzeria stand indes deren Küchenzeile entgegen, der Vorschlaghammer half nicht.

Von krimineller Karriere keine Rede

In dem Lebenslauf, den der 20-Jährige von seinem Anwalt verlesen ließ, war allerdings von einer kriminellen Karriere nicht die Rede. 2010 – damals stand er zum ersten Mal vor Gericht – habe er die Gesamtschule mit einem Hauptschulabschluss verlassen. Bei seiner Festnahme sei er gerade im Anlauf fürs Fachabitur gewesen, so der Verteidiger.

Als zweiter Kopf der Bande gilt ein 23-Jähriger, gegen den gesondert verhandelt wird. Gegen diesen hatte ein Zeuge ausgesagt, der gestern von der Strafkammer vernommen wurde und plötzlich erklärte, er habe alles frei erfunden und den 23-Jährigen in die Pfanne hauen wollen. Das wiederum vermochte Staatsanwalt Müller nicht nachzuvollziehen, hatten sich doch alle Vorwürfe bestätigt – reiner Zufall, meinte der Zeuge. Damit, dass der Staatsanwalt ihn im Gerichtssaal wegen Falschaussage festnehmen ließ, hatte er wohl nicht gerechnet: Die Handschellen klickten.

Ebenfalls, aber nicht als Bandenmitglied und nur wegen einer Tat angeklagt, ist eine 20-jährige Frau aus Moers, die mit 18 heiratete, jetzt in Scheidung und mit ihrem 17 Monate alten Kind von Hartz IV lebt.