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Musik bis in die Fingerspitzen

02.09.2010 | 18:30 Uhr
Musik bis in die Fingerspitzen
Das Projekt „nimm!“ (Netzwerk Improvisierte Musik Moers“ hatte sein erstes Konzert, unteranderem mit Simon Rummel (links). Foto: Ulla Michels

Moers.Wie klingt eigentlich Moers? Eher wie Berlin oder vielleicht doch wie Dresden? Wer auf den Zug der Neuen Musik aufspringen wollte, bekam am Mittwoch am Bollwerk ein kostbares Gratisticket.

„Sounding D“, der Klangzug des bundesweiten Netzwerks Neue Musik, parkte auf dem Abstellgleis vor dem Jugendkulturzentrum am Bahnhof. Hunderte Schüler, die neue stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin und Schulministerin Sylvia Löhrmann und andere Zaungäste kamen, sahen und staunten.

„Da waren
Pferde!“

„nimm!“, der Moerser Ableger des bundesweiten Netzwerks hatte zum Mini-Festival eingeladen. Im Mittelpunkt: ein Sonderzug voller hörbarer Überraschungen, der derzeit durch alle am Netzwerk beteiligten Städte tourt. In einem Waggon mit blau getönten Scheiben hat der kanadische Klangkünstler Robin Minard den Klang der 15 Städte zu einer Installation komponiert. „Da waren Pferde.“ „Und Züge.“ In Filzpantoffeln schlendern die Achtklässlerinnen der Justus-von-Liebig-Schule durch den Waggon und lauschen. Applaus, Kirchenglocken, Vogelkrächzen, Verkehr: All das fügt sich zu einem spannenden Klangteppich zusammen. Applaus wie Moers? „Wir haben im Mai und Juni in Moers Geräusche aufgenommen“, so ein Mitarbeiter. Das Moers-Festival lässt nicht von ungefähr grüßen...

Im alten Abteilwagen dahinter fließt die Musik über Ellenbogenknochen, Arme und Hände in die Ohren. Über in die Sessellehnen eingebaute vibrierende Membranen werden die Klänge körperlich erfahrbar. Den eigenen Hörfilm per Außenmikrofon und Köpfhörer erleben die Schülerinnen bei einem Rundgang über das Gelände. Jeder Schritt klingt anders.

Ministerin Löhrmann zeigte sich am frühen Abend voll des Lobes für das „nimm!“-Projekt und offenbarte sich bei ihrem ersten Besuch im neuen Amt in Moers als fundierte Kennerin der örtlichen Kulturszene. Als Referendarin wohnte die grüne Ministerin in Homberg und radelte in ihrer Freizeit des öfteren nach Moers „zum Jazzfestival und ins Schlosstheater“.

Mit einem Konzert aller drei Moerser Improviser in Residence – von Angelika Niescier über Simon Rummel bis hin zu Sanne van Hek – endete das Mini-Festival rund um die neue Musik im Bollwerk. Und es war vor allem der Auftritt von Angelika Niescier, die mit ihrem Jazz-Quartett und dem Bergmannschor MGV Concordia aus Dinslaken starke Akzente setzte. Ihre gemeinsamen Interpretationen rund um Bergmannslieder wie zum Beispiel „Glück auf, der Steiger kommt“ fügen Tradition und Moderne auf faszinierend-würdevolle Art und Weise zusammen und ließen nicht nur so manchen Federpuschel auf den Schachthüten im Takt des Schlagzeugs wippen. Starker Applaus für eine starke Truppe.

Gabi Gies

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Kommentare
02.09.2010
22:40
Musik bis in die Fingerspitzen
von Der Sucher | #1

Irgendwie vermisse ich ein paar Kommentare, wenn es darum geht Geld zu sparen für eine scheinbar kleine Gruppe ohne Außenwirkungen..... ;)

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