Musical-Karriere startete in Moers

Kai Hüsgen, hier
Kai Hüsgen, hier
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Heute ist Kai Hüsgen Künstlerischer Leiter bei „Das Wunder von Bern“ im neuen Stage Theater an der Elbe in Hamburg.

Moers/Hamburg..  Es geht um eine Familie, die sich findet, eine WM-Mannschaft, die durch Zusammenhalt über sich hinauswächst, und um einen kleinen Jungen mit großen Träumen. Das Musical „Das Wunder von Bern“ beeindruckt seine Zuschauer nicht nur aber vor allem emotional. Einer, der vor 15 Jahren von Moers auszog, um eine Musical-Karriere zu starten, ist Kai Hüsgen. Er agiert derzeit im neuen Stage Theater an der Elbe als Künstlerischer Leiter der Produktion. Ebenfalls eine beeindruckende Geschichte.

Verlängerter Arm

„Als Künstlerischer Leiter bin ich der verlängerte Arm des Regisseurs“, schildert Kai Hüsgen seine Aufgaben. Er studiert die Zweitbesetzungen ein, ist Vorgesetzter des Ensembles und stellt die Dienst- und Urlaubspläne der Künstler auf. Ganz wichtig dabei: „Wir achten auf eine stets gleichbleibende hohe Qualität unserer Shows.“ So schaue er sich sehr oft die Vorführungen an, um zu sehen, ob ein Detail in eine falsche Richtung

laufe.

In Hamburg zu agieren, sei großartig, schildert Kai Hüsgen. Denn das Stage Theater an der Elbe ist nagelneu, die Technik auf der Bühne schier unerschöpflich. „Es gibt beispielsweise eine riesige LED-Wand auf der Bühne, auf der das Fußballfeld zu sehen ist. Sechs Darsteller hängen an einem Seilsystem und spielen so gewissermaßen auf dem Rasen der Leinwand.“ Was naturgemäß auch viel Probenarbeit für die Akteure bedeute. Die Ausstattung umfasse auch fahrende Wände oder Bühnenelemente, die aus dem Boden kommen, um nur einiges zu nennen. „Alles fährt und rotiert. So gibt es immer neue Herausforderungen, das ist spannend.“ Im September 2014 kam der Moerser nach Hamburg: „Wir haben hier auf einer Baustelle mit den Proben angefangen und dann bis zur Premiere im November 2014 einen super Endspurt hingelegt. Jetzt spielen wir täglich vor einem vollen Haus“, schwärmt Kai Hüsgen. Neben der mitreißenden Musik und den Tanzeinlagen sei beim „Wunder von Bern“ die Emotionalität sehr wichtig. Die Familiengeschichte im zerbombten Essen nach dem Krieg vor dem Hintergrund der Fußball-WM 1954 habe auch die Darsteller bei den Proben oft angerührt. „Mancher weiß ja noch aus Erzählungen seiner Großeltern, wie es damals war.“

Von 2001 bis 2005 studierte Kai Hüsgen an der Bayerischen Theaterakademie das Schwerpunktfach Musical, ein Studiengang, den es zu dieser Zeit erst einige Jahre gab. Bei der Aufnahme in München kam ihm wohl auch auch zugute, dass er in der Schulzeit schon reichlich Erfahrung als semiprofessioneller Musical-Darsteller mit der Musical-Factory in Moers sammeln konnte.

Das Tollste an seiner Arbeit: „Das sind die Momente, wenn ich im Publikum sitze und die Reaktionen der Zuschauer sehe.“ Interessanterweise seien es oft die Frauen, die bei den Fußballszenen als erste die Arme hochrissen und jubelten, und die Männer, die bei der Vater-Sohn-Geschichte Tränen in den Augen hätten. „Die Figuren des Stückes haben eben sehr viel Ehrlichkeit, und das soll jeden Abend, bei jeder Vorstellung auch zu sehen sein. Das ist meine Aufgabe.“

Kai Hüsgen arbeitete schon während seines Studiums in München als Darsteller in „Elisabeth“, anschließend gab es Engagements an verschiedenen Stadttheatern. Unter anderem war er zweieinhalb Jahre einer der Hauptdarsteller in „Tanz der Vampire“ in Berlin und Wien.

Schreiben von Liedern

Immer wieder beschäftigte er sich auch mit dem Schreiben von Texten und Liedern, „Wenn Rosenblätter fallen“ stammt aus seiner Feder und wurde in Amsterdam und in Hamburg uraufgeführt. Auf Anfrage des Operndirektors in Pforzheim inszenierte Kai Hüsgen auch die Musicals „Sunset Boulevard“ und „Tommy“. Bis aus Hamburg das jüngste Angebot kam, Künstlerischer Leiter beim „Wunder von Bern“ zu werden.

Bei all dem Reisen quer durch Deutschland ist ihm Berlin als Wahlheimat geblieben. „Ich hab noch einen Koffer dort...“, meint er. Und ein paar Mal im Jahr, in jedem Fall zu Weihnachten, zieht es den Musical-Mann nach Moers zu seiner Familie. „Meine Mutter ist schon fast so was wie mein größter Fan.“ Sie habe schon viele seiner Vorführungen und Shows gesehen.

Dass die Eltern ihm vor rund 15 Jahren nach dem Abitur keine Steine in den Weg legten, als er ins Musicalfach wollte, dafür ist er dankbar. „Die einzige Bedingung war, dass ich eine solide Ausbildung absolvierte und dann ein Examen machte.“