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Soziales

Munter wie in der Jugendherberge

18.04.2011 | 17:48 Uhr
Munter wie in der Jugendherberge
Schüler und Senioren vom Projekt „Alt und Jung“ vor einem alten VW-Käfer. Foto: Volker Herold / WAZ FotoPool

Neukirchen-Vluyn/Moers.Wie ist das eigentlich, alt zu sein, mit vielen Erinnerungen an andere Zeiten? Berufsschüler in Moers tauschten jetzt die Rollen mit Bewohnern in der Altenheimat am Klotzfeld in Vluyn.

Und die 15 Jugendlichen staunten nicht schlecht, wie viele Gemeinsamkeiten sie fanden, als sie mehr vom Leben im Altersheim erfuhren.

„Ich hab mir das hier eigentlich eher krankenhausmäßig vorgestellt“, berichtete Saskia Witschke (17) offen. „Aber hier ist es eher wie in einer Jugendherberge.“ Die Senioren seien „echt freundlich und fröhlich“. „Sie haben uns herzlich aufgenommen. Das haben wir uns anders vorgestellt“, schilderte die Schülerin der zwölften Klasse die Atmosphäre am Klotzfeld. Altenheimleiter Axel Loobes konnte das bezeugen: „Es ist unglaublich, wie viel Spaß die Senioren mit dem Schülerprojekt hatten.“

Also, das Prinzip war ganz einfach: Die Jungen schlüpften in die Rolle der Alten und umgekehrt. Da wurden im Frisiersalon die Haare mit dem Glätteisen bearbeitet, die Schülerinnen setzten sich an eine alte Tret-Nähmaschine oder tranken Tee aus einem uralten Service, Seniorinnen lasen aus einer modernen Jugendzeitschrift und lachten sich dabei kaputt, andere Bewohner ließen sich „tätowieren“ oder hantierten mit dem iPod.

Ein alter VW Käfer
rollte vors Seniorenheim

Auch ein alter VW Käfer rollte vors Seniorenheim. Da wurden Erinnerungen wach: „Das ist aber ganz mein Auto“, begeisterte sich eine Seniorin, als sich Schüler Steffen, immerhin 2,06 Meter groß, grinsend aus dem kleinen Oldie schälte.

Der große Steffen hatte bei den Senioren ohnehin gleich einen Stein im Brett. „Als er zum ersten Mal hier hereinkam, fasste ihn eine Bewohnerin gleich bei der Hand und meinte: Nehmen Sie mich mal mit...“, erzählt Lehrerin Anja Geisen. Sie freut sich über die freundliche Aufnahme: „Ziel ist es ja, auf humorvolle Weise Gemeinsamkeiten zu zeigen.“

Herzstück des Projekts: Die Szenen wurden im Unterricht besprochen und detailliert geplant, bevor sie im Altenheim fotografiert wurden. Die Bilder, die dabei entstanden, zeigen Situationen von Lebensfreude und Sympathie. “Es soll im Juni bei uns auch eine Ausstellung dazu geben“, erklärt Axel Loobes, angetan von der Aussagekraft der Bilder. Überlegt werde auch, ob nicht einige der schönsten Fotos als Poster in den Räumen am Klotzfeld aufgehängt werden könnten.

Aber vor allem wollen sich die Schüler mit dem Projekt beim diesjährigen Wettbewerb der Industrie- und Handelskammer bewerben. Thema: Innovation trifft Nostalgie. Bis September wollen sie – angehende Gestaltungstechniker und Informatiker – ihr Projekt einreichen.

Aussichten auf Erfolg haben die Moerser Jugendlichen gewiss: Schon im letzten Jahr schnappte sich das Berufskolleg Technik den ersten Preis des IHK-Wettbewerbs.

Klara Helmes

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