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Moonwalk statt Mathematik

27.11.2009 | 16:09 Uhr
In der Aula der Hans-Lenhard-Schule in Moers Repelen, findet mit dem Musiker der Gruppe -2schneidig- ein Hip-Hop Workshop statt. Die Schüler kommen aus den Klassen 8 bis 11. Foto: Ulla Michels / WAZ FotoPool
In der Aula der Hans-Lenhard-Schule in Moers Repelen, findet mit dem Musiker der Gruppe -2schneidig- ein Hip-Hop Workshop statt. Die Schüler kommen aus den Klassen 8 bis 11. Foto: Ulla Michels / WAZ FotoPool

Zwei Tage trainiert Hiphop-Musiker „2schneidig”mit Jugendlichen Beatboxing, Breakdance, Hiphop und Rap

Knapp 20 Schüler und drei Lehrer rollen wie von einer unsichtbaren Schnur gezogen hinterher. Dass bei manch einem der Moonwalk eher nach Bergwanderung aussieht – egal. Auf Perfektion kommt es an diesem Vormittag nicht an. Seit zwei Tagen ist Hiphop-Musiker „2schneidig” alias Martin Rietsch an der Förderschule des Neukirchener Erziehungsverein unterwegs, trainiert mit den Jugendlichen Beatboxing, Breakdance, Hiphop und Rap für die heutige Eröffnungsfeier. Zwischendurch erzählt er. Von sich und einem Leben, das in der Vergangenheit nicht einfach war.

Musiklehrer Andreas Indetzki stieß über seine Frau auf den Musiker, der in der Nähe von Hannover lebt. Neben seiner musikalischen Karriere ist der Mann mit nigerianischen Wurzeln in ganz Deutschland unterwegs, um mit und über seine Musik Sucht- und Gewaltprävention für Kinder und Jugendliche anzubieten.

In der Aula wird das Licht gedimmt, per Beamer flimmert das Video von 2schneidig's erstem Hiphop-Song über die Leinwand. Über den treibenden Rhythmus bleiben die Worte erstaunlich schnell in den Köpfen der Schüler kleben. Zehn Minuten später sitzen die ersten drei Takte im Chor. „Sie lassen sich gut auf ihn ein, er ist nah dran an den Jugendlichen,” so Indetzki. „Jeder kann sich hier ausprobieren. Für die Schüler ist es toll, von einem Profi gecoacht zu werden. Und ein gutes Gefühl, etwas gemeinschaftlich für die Gemeinschaft zu machen.”

Nächstenliebe weitergeben

Seine Lebensgeschichte reduziert Rietsch im Interview auf Schlagworte: „Ich hatte eine katastrophale Kindheit.” Heimaufenthalte, Pflegefamilien, Jugendgefängnis, Obdachlosigkeit – immer wieder, sagt Rietsch, sei er unten gewesen. Glaube und Musik treiben ihn heute an. „Ich will die Nächstenliebe, die ich erfahren habe, weitergeben. Das Alter zwischen elf und 14 ist so wichtig. Ich habe mit 13 Jahren angefangen zu kiffen. Damals hätte ich Vorbilder gebraucht.”

Nach Beatboxsession, Rapstunde und Moonwalk brauchen die Kids eine Pause. Vorher geht es zum Gruppenfoto mit 2schneidig. Ruckzuck rücken die Jungen und Mädchen ganz nah ran. Sie haben Ausdauer und Disziplin bewiesen. Im normalen Schulbetrieb fällt das manchmal schwer.

Ulla Michels

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