Moerserin mit himmlischem Arbeitsplatz

Kim Schlothmann aus Moers ist Jet-Pilotin
Kim Schlothmann aus Moers ist Jet-Pilotin
Foto: nnn
Was wir bereits wissen
Kim Schlothmann ist selbstständige Pilotin. Sie saß im Cockpit der Maschine, mit der Putin-Gegner Michail Chodorkowski aus Russland ausgeflogen wurde.

Moers..  Wer weiß schon, dass eine Moerserin im Cockpit saß, als vor ziemlich genau einem Jahr der reiche Putin-Gegner Michail Chodorkowski in einer Nacht- und Nebelaktion in St. Petersburg ausgeflogen und nach Berlin gebracht wurde. Kim Schlothmann (29) war eine der beiden Piloten. Sie ist selbstständig und in dieser Funktion so gut wie immer am Himmel unterwegs.

Wieso Kim Schlothmann Chodorkowski ausflog: „Herr Bettermann, Unternehmer aus dem Sauerland, kannte Herrn Genscher, und Herr Bettermann kannte mich, weil ich öfters für ihn geflogen war.“ So kam es, dass die Moerserin Michail Chodorkowski mit der Maschine Bettermanns ausflog. So der Hergang vor einem Jahr. „Da wurden mein Kollege und ich ziemlich kurzfristig benachrichtigt. Wir wussten nicht ‘mal den Namen dessen, den wir in Russland abholen sollten. Bis der Passagier in der Maschine saß.“ Trotz großer Geheimhaltung habe es dann bei der Landung in Berlin viel Aufsehen seitens der Medien gegeben.

Nach dem Abi an die Fachschule

Der Hang in die Ferne wurde Kim Schlothmann in die Wiege gelegt. Sie stammt nicht nur aus dem Hause des gleichnamigen Moerser Busreiseunternehmens, das Vater Holger vom Opa übernahm. Beide Männer liebten und lieben obendrein auch die Fliegerei als Hobby. „Als ich als Kind in Lintfort mal mitgeflogen bin, wusste ich, was ich werden wollte.“

Nach dem Abi und der zweijährigen Ausbildung in Essen/Mülheim an der Fachschule für Luftfahrzeugführer fand die Moerserin zunächst eine Anstellung bei einer Firma. Die wurde insolvent. „Leider stellt die Lufthansa Piloten erst ab 1,65 Metern Größe ein. Ich bin 1,61 Meter“, schildert sie. Und bei fast allen Gesellschaften herrsche Einstellungsstopp. Inzwischen ist die junge Frau bei der Kundschaft etabliert. Sie fliegt für Chartergesellschaften, für Firmen und Privatleute, denn ihre Lizenz erlaubt ihr Flüge auf allen Flugzeugtypen. Oft sind es eilige Geschäftsleute, die beispielsweise an einem Tag von Berlin nach London, Paris und wieder zurück fliegen müssen. „Die arbeiten oft sehr hart“, hat sie festgestellt.

Fußballer und Megastars

Auch viele Prominente sind unter den Fluggästen. Wie bekannte Fußballer, Gesichter aus Film oder Fernsehen, auch Megastars – Namen werden diskret verschwiegen. Daher sind auch Autogrammwünsche für Piloten tabu: „Das gehört sich nicht. Diese Leute fliegen ja gerade mit uns, weil sie ihre Ruhe vor der Fantraube haben wollen.“ Manche davon, oftmals die wirklich Reichen, seien „echt tiefenentspannt“, andere aber auch mal etwas schwierig.

Ob tiefenentspannt oder schwierig, no problem: „Wir kommen mit jedem Fluggast gut klar“, schildert Kim Schlothmann. Und einmal, da flog ein Prinz aus Dubai mit: „Der hatte ganz, ganz schlimme Flugangst.“ Da komme es gelegentlich vor, dass einer der beiden im Cockpit ‘mal nach hinten gehe und nach dem Rechten schaue.

Schnelligkeit ist Trumpf: Im zarten Alter von 23 Jahren legte Kim Schlothmann die Prüfung als Pilotin ab. Ihre Ausbildung war mit 50 000 bis 60 000 Euro nicht gerade billig. „Aber dafür habe ich schon mit 23 Geld verdient, meine Freundinnen, die studiert haben, waren erst mit 27 fertig und haben etwa genauso viel gekostet“, rechnet sie vor.

Sechs Jahre Flugerfahrung

Inzwischen kann Kim Schlothmann auf sechs Jahre Flugerfahrung und 2000 Stunden in der Luft zurückblicken. Jedes halbe Jahr legt sie für die Charterfirmen eine Prüfung ab. „Dadurch bleibt man im Training.“ Das brauchte die Moerserin jedoch erst ein Mal: „Da hatten wir einen Druckabfall in der Kabine.“ Was man da macht: „Sinken.“ Was zwar wegen der Alpen darunter nicht ganz einfach war, aber doch „ganz professionell“ vonstatten ging.

Manchmal, wie unlängst im November, geht es auf Fernreise. Da steuert Kim Schlothmann mit ihrem Kollegen unter anderem Dubai, Singapur, Hongkong, Tokio, Bangkok und die Malediven an. Dann ist auch hier und da mal Zeit, sich ein bisschen von der Welt anzusehen. Gern ist die Pilotin auch in Skandinavien. „Da hab ich mein Rad mitgenommen und bin durch die Gegend geradelt.“ Bei so viel Reisen erübrigt sich auch die Frage, wann sie Urlaub macht: „Ich bin am liebsten Zuhause.“ Auch an den Feiertagen. Wenn kein Anruf kommt..