Moerser Restaurantchef ruft zum Tellertausch

Michael Kurlbaum
Michael Kurlbaum
Foto: Christoph Karl Banski
Das Restaurant „Kurlbaum“ an der Burgstraße beteiligt sich am ersten „Tag der Deutschen Spitzengastronomie“ am Gründonnerstag.

Moers..  Das Moerser „Kurlbaum“ an der Burgstraße ist eines von bundesweit 125 Restaurants, die am 2. April zum ersten „Tag der Deutschen Spitzengastronomie“ einladen. Ziel ist es, offensiv gegen eine Gerüchteküche anzugehen, die Spitzenrestaurants ernsthafte Probleme bereitet.

„Das Gerücht kocht immer wieder hoch und trifft in erster Linie Sterne-Restaurants“, berichtet Michael Kurlbaum. Da glaubt jemand zu wissen, dass beispielsweise Nelson Müller oder Alfons Schubeck, mittlerweile durch viele Kochsendungen im Fernsehen bekannt, manchen Gästen nach dem Bezahlen eine rote Karte mitgeben, auf der stehen soll: „Bitte beehren Sie uns nicht wieder.“ Angebliche Begründung: Der Eine habe vom Teller des Anderen probiert, und dies sei in einem Sterne-Restaurant unerwünscht.

„Das ist Quatsch“, schimpft Kurlbaum, „so etwas macht kein Restaurantbetreiber. Warum sollte jemand ‘was dagegen haben, wenn ich meinen Tischnachbarn probieren lasse?“ Im Übrigen habe noch niemand einen Beleg, etwa in Form einer Karte oder eines Rechnungsaufdrucks, vorgelegt. Konsequenterweise lautet des Motto am Tag der Spitzengastronomie „Tellertausch“.

16 Punkte im Guide Michelin

Michael Kurlbaum, seit Jahren mit 16 von 20 möglichen Punkten im renommierten „Guide Michelin“ bewertet, ist zwar mit diesem Gerücht bislang nicht konfrontiert gewesen. Aber er macht aus Solidarität mit, denn auch der Moerser hatte eine ganze Weile mit einer bösen Geschichte zu kämpfen, als vor Jahren in der Amtsgerichtsliste mit Zwangsversteigerungen unter anderem ein „Gebäude mit Gastronomie in der Burgstraße“ auftauchte. „Leider haben das damals einige auf mein Restaurant bezogen, obwohl wir nichts damit zu tun hatten. Die Zwangsversteigerung betraf ausschließlich die Immobilie, in der wir Mieter sind.“ Dennoch wurde aus der falschen Interpretation ein geschäftsschädigendes Gerücht: „Manche Gäste sind eine ganze Weile nicht gekommen, weil sie glaubten, wir hätten geschlossen“, erinnert sich Kurlbaum. „Das hängt einem lange nach, und es dauert ewig, bis du das wieder los bist.“ Nelson Müller und anderen mit Sternen dekorierten Kollegen gehe es ähnlich. Wegen ihrer Bekanntheit seien die bösen Gerüchte eher noch hartnäckiger. Dann heißt es: „Da gehen wir nicht mehr hin.“

Michael Kurlbaum und sein Chefkoch Detlev Hufschmidt bieten am Gründonnerstag zwei Überraschungsmenüs mit je vier Gängen an. Unter anderem werden Perlhuhnbrust, Kalbsfilet und Lammkarree serviert. Und zwischendurch darf man die Teller tauschen.