Moerser hatten den Saturn fest im Blick

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Was wir bereits wissen
Bei der Beobachtungsnacht am Freitag auf der Halde Rheinpreussen kamen alle Interessierten auf ihre Kosten. Michael Kunze hatte hier sein Teleskop aufgebaut und lies die Besucher gucken.

Moers.. Für Profi-Astronomen wäre es wohl nicht besonders aufregend gewesen. Für die Schar gelegentlicher Sterngucker, die am Freitag- oder Samstagabend die Halde Rheinpreussen in Moers erklommen hatten, war es das aber ganz bestimmt. Auf Einladung der VHS Moers/Kamp-Lintfort hatte Hobby-Astronom Michael Kunze am Geleucht von Otto Piene ein 2,80m Spiegelteleskop aufgebaut, um interessierten Bürgern den nächtlichen Sternenhimmel näher zu bringen.

Der 37-jährige IT-Manager hat das Beobachten und Erforschen naher und ferner Himmelskörper seit seinem 14. Lebensjahr zu seinem Hobby gemacht und will auch andere dafür begeistern. Diesmal stand der Saturn, zweitgrößter Planet unseres Sonnensystems und mit seinen Ringen besonders spektakulär, im Mittelpunkt der Beobachtung. Dieser steht jetzt im Sommer im Sternbild Skorpion am Südhimmel und ist selbst mit bloßem Auge gut zu sehen. Doch dafür war es zu Beginn der Veranstaltung um 22 Uhr noch viel zu hell.

Deshalb nahm Kunze zunächst die Planeten Venus und Jupiter, die zurzeit in einer ziemlich seltenen Konjugation stehen, ins Visier. Venus entpuppte sich in 100facher Vergrößerung als schmale Sichel, da nur der von der Sonne beschienen Teil zu sehen war.

Lichtverschmutzung

Beim viel weiter entfernten Jupiter waren dagegen nicht nur die Kugelgestalt, sondern auch vier seiner Monde voll im Bild. Wegen der hohen „Lichtverschmutzung“ mache Sternenbeobachtung hierzulande „kaum noch Spaß“, bedauert der engagierte Hobby-Astronom. Bestes Beispiel: Die Milchstraße, die sich früher als leuchtendes Band über den Himmel zog, sei bei uns fast gar nicht mehr zu sehen.

Wie auch immer: Nachdem über dem Rhein der Vollmond, rot und riesig, aufgegangen und die – leider nur kurzfristige – Illumination der großen Grubenlampe eingeschaltet war, stand auch der Saturn in der richtigen Beobachtungsposition. Nun wollten natürlich alle die Ringe sehen. „Nur dafür bin ich hergekommen“, betonte ein männlicher Besucher. „Wir sind nur aus Neugierde hier und waren gespannt, was es zu sehen gibt“, erklärten zwei sportliche Damen, die sonst mit Sternen „nicht viel am Hut haben“. Und keiner wurde enttäuscht. Nach einigen Erklärungen und Nachjustierungen des Teleskops waren der rund 1.3 Milliarden Kilometer entfernte Ringplanet und – mit etwas Fantasie – auch sein größter Mond, Titan, recht gut zu erkennen.

Die warme Vollmondnacht und der Blick weit über den Rhein auf die hell erleuchtet Industriekulisse taten ein Übriges: „Ein wirklich schönes Erlebnis“, waren sich alle Besucher am Ende denn auch einig. Die nächste Veranstaltung mit Michael Kunze findet unter dem Titel „Sternenhimmel im Zeitraffer“ am 17. November in der VHS Kamp-Lintfort, leider im Saal, statt.