Moerser Ex-Bürgermeister Ballhaus verlässt die SPD

Bürgermeister Christoph Fleischhauer (l.) verabschiedete seinen Amtsvorgänger Norbert Ballhaus.
Bürgermeister Christoph Fleischhauer (l.) verabschiedete seinen Amtsvorgänger Norbert Ballhaus.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Norbert Ballhaus versichert, dass es keine politischen Gründe im engeren Sinn für seinen Austritt gebe. Er zieht sich auch aus vielen Vereinen zurück.

Moers.. Gut ein Jahr nach seiner schweren Niederlage bei der Bürgermeisterwahl sorgt Norbert Ballhaus für einen Paukenschlag: Der 59-jährige frühere Politiker hat seinen Austritt aus der SPD erklärt. Am 1. Juli endet seine Mitgliedschaft im Rheinkamper Ortsverein. Gründe für seinen überraschenden Schritt nennt er in dem Schreiben, das die Ortsvereinsvorsitzende Silvia Rosendahl am Samstag erreichte, nicht.

Im Gespräch mit der NRZ versicherte Norbert Ballhaus, der von 2004 bis 2014 Moerser Bürgermeister war, dass es keine politischen Gründe im engeren Sinn für seinen Austritt gebe. Er verliert zwar kein schlechtes Wort über die Partei und die Genossen, dennoch ist die Distanz offensichtlich, wenn er sagt, dass es „zum Schluss nicht mehr die tiefe Liebe war“ und er „mit all dem nichts mehr zu tun“ habe. Er lebe zufrieden und habe jetzt andere Prämissen als früher.

Das gilt offenbar schon länger. Norbert Ballhaus ist seit dem 15. Juni 2014, dem Tag der verlorenen Stichwahl, nur noch zweimal aufgetreten: im November, als ihn sein Nachfolger Christoph Fleischhauer im Rat verabschiedete, und im Sommer des vergangenen Jahres, als sich die SPD-Fraktion bei ihm bedankte. Bei der Ernennung von Willi Brunswick zum Ehrenbürgermeister in der vergangenen Woche fehlte er, eine Ehrung für seine 25-jährige Mitgliedschaft in der SPD kürzlich lehnte er ab.

Mehr als 20 Mitgliedschaften gekündigt

Doch Norbert Ballhaus kehrt nicht nur den Genossen den Rücken, er vollzieht die Trennung von seinem ehemaligen öffentlichen Leben gründlich. Mehr als 20 Mitgliedschaften hat er nach eigenen Worten gekündigt, unter anderem beim Freundeskreis Bettenkamper Meer und bei der Karnevalsgesellschaft Humorica, deren Senator er war. Das Geld, das diese Vereinszugehörigkeiten gekostet haben, spiele bei seiner Entscheidung auch eine wesentliche Rolle, erklärt er. Sein Einkommen als Bürgermeister sei schließlich weggefallen. Kein Missverständnis, „uns geht es gut, aber wir haben auch drei Kinder im Studium. Das kostet.“

Zusätzlich hat Norbert Ballhaus einen Minijob an einer Duisburger Schule angetreten. Ehrenamtlich engagiert sich der frühere Markscheider nun ausschließlich in der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition in Kamp-Lintfort.

Ein Schock für die SPD

Für die SPD ist der Austritt von Norbert Ballhaus ein Schock. Die Ortsvereinsvorsitzende Silvia Rosendahl bedauert auch, dass ihr Ex-Genosse keine Gründe nennt: „Wir haben uns im Juni 2014 noch kräftig ins Zeug gelegt, ich selbst habe mit Norbert Haustür-Wahlkampf gemacht. Schade, dass er trotzdem den Bruch vollzieht.“ Gleichwohl wolle sie versuchen, mit ihm über die Gründe zu sprechen, allein: Telefonisch hat sie Ballhaus nicht erreicht, ihre E-Mail war zumindest bis gestern nicht beantwortet.

Marc Rosendahl, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, bedauert ebenfalls den Austritt von Norbert Ballhaus, den er im Sommer 2014 zuletzt gesehen hat. Die Gründe für den Schritt seines Parteifreundes kennt auch Rosendahl nicht, er vermutet aber, dass die schwere Niederlage bei der Stichwahl vor einem Jahr eine Rolle spielt, bei der Ballhaus nicht einen Wahlbezirk gewinnen konnte: „Die Menschen reagieren unterschiedlich“, so Rosendahl, „es gibt auch solche, die trotz Niederlage ihrer Partei treu bleiben.“