Moerser Berufskolleg eröffnet internationale Förderklasse

Flüchtlinge in Moers: Sie sind gekommen, um zu lernen.
Flüchtlinge in Moers: Sie sind gekommen, um zu lernen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Bunte Tisch und das Berufskolleg für Technik Moers (BKTM) starten zu Beginn des nächsten Schuljahres ein Ausbildungsprojekt. Die Lehrer sind von den neuen Schülern begeistert.

Moers..  Peter Dischhäuser, stellvertretender Schulleiter des Berufskollegs für Technik Moers (BKTM) an der Repelener Straße, ist ein Mann der Tat. Als Amar Azzoug vom Bunten Tisch mit der Idee für ein gemeinsames Projekt bei ihm auf der Matte stand, da fackelte er nicht lange und engagierte sich für die Bildungschancen der jungen Kriegsflüchtlinge. Und das, wie Peter Dischhäuser schmunzelnd anmerkt, „jenseits aller Vorschriften.“

Was bedeutet, dass Unterricht für Flüchtlinge an einem Berufskolleg nicht vorgesehen ist. Aber dennoch nahm das BKTM sechs junge Männer als Gastschüler auf, unterrichtete sie in der einen Wochenhälfte in Deutsch, während die restlichen Tage dem Kennenlernen des Kollegs und der Mitschüler dienten. Eine Lehrerin unterrichtete das Sextett zusätzlich an Nachmittagen und war begeistert.

„Die sechs Jungs bei uns sind super. Alle Lehrer wollen mit ihnen Unterricht machen“, so Anna Kreik, BKTM-Integrationsbeauftragte. „Die Jungs wissen wie schwer es ist, an Bildung zu kommen.“ Anna Kreik ist kaum in der Lage, die Begeisterung ihrer Kollegen richtig zu vermitteln. Die sechs jungen Männer laufen mit einem Lächeln durch die Schule, berichtet sie. In Erstaunen versetzt das Lehrerkollegium auch die natürliche Freundlichkeit, mit der diese jungen Männer allen am Kolleg begegnen.

Einstieg ins deutsche Schulleben

Dieses war der erste Streich, und der zweite folgt sogleich: Im neuen Schuljahr wird das BKTM eine internationale Förderklasse einrichten. Dann werden die sechs jungen Männer als Lotsen für rund 15 andere junge Flüchtlinge dienen und ihnen den Einstieg in deutsche Schulleben erleichtern. Dazu Anna Kreik: „An zwei bis drei Tagen gibt es Deutschunterricht, am Ende des Jahres einen Test.“

Hinzu, so erklärt die Klassenlehrerin, kommt das Fach Gesellschaftslehre: Wie kann ich in Deutschland zurecht kommen? Diese Frage soll im Mittelpunkt stehen. „Wir können ganz viel möglich machen“, verspricht Anna Kreik. Dass die sechs jungen Männer schon viel für die Schule getan haben, unterstreicht Peter Dischhäuser. Im Rahmen des Politikunterrichts lernten die Berufsschüler plötzlich sechs Menschen in ihrem Alter kennen, die unter Lebensgefahr die Flucht übers Mittelmeer gewagt hatten. Peter Dischhäuser: „Unsere Schüler nehmen Flüchtlinge jetzt ganz anders wahr.“ Persönliches Kennenlernen sei das beste Mittel gegen dumpfe Pegida-Stammtischparolen.

Amar Azzoug, Vorsitzender des Bunten Tisches, der das gemeinsame Projekt gestern der Öffentlichkeit vorstellte, strahlte über das ganze Gesicht: „Das ist das beste Projekt, das wir durchführen.“ Er ist allerdings auch ein strenger Projektleiter: In Einzelgesprächen sollen Eignung und Wille der jungen Menschen, sich Schulbildung anzueignen, überprüft werden – erst dann ist der Weg in die internationale Förderklasse des Berufskollegs für Technik frei.

Für Margret Romswinkel-Lülf, die ehrenamtlich junge Flüchtlinge beim Bunten Tisch, im Garten der Kulturen an der Kornstraße, unterrichtet, steht der Erfolg außer Frage: „Es ist eine helle Freude für mich, die Jungs zu unterrichten.“ Afghanen, Syrer, Iraker, Iraner, Nigerianer – sie alle wollen nur eines: lernen, lernen, lernen. Auch Wiebke Fahr unterrichtet dort ehrenamtlich: „Die sind so hochmotiviert, es macht sehr viel Spaß.“ Und sie schätzt die Höflichkeit ihrer Schüler – wie alle anderen auch.