Moers: Vennikeler wollen endlich Radwege

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Was wir bereits wissen
Tödlicher Unfall einer Schülerin brachte Fass zum Überlaufen. 2000 Menschen beteiligten sich an Unterschriftenaktion.

Moers.. Es war der 11. Dezember 2014, der Tag nach dem schrecklichen Unfall, bei dem die 15-jährige Merle bei einem Unfall auf der Holderberger Straße zu Tode kam. „Da war ich einfach furchtbar wütend“, beschreibt Ariane Muhm-Kritzen, Richterin am Amtsgericht, heute ihre Empfindungen. Und obwohl sie mit ihrer Familie tags darauf in den Urlaub fliegen wollte, startete sie eine Unterschriftenaktion und forderte sichere Radwege von Vennikel nach Moers. Jetzt, einen Monat später, haben über 2000 Menschen unterschrieben.

Alle wissen es, aber nichts passiert – dies sei ihre Motivation gewesen, so die Richterin, die mit ihrer Familie in Vennikel lebt. Die nicht vorhandene Anbindung des Stadtteils ans Radwegenetz bereite den Einwohnern seit langem Sorge, und das sei beileibe kein Aushängeschild für eine Stadt, die sich das Prädikat „fahrradfreundlich“ auf die Fahnen schreibe.

Fahrradfreundlich geht anders – davon müssen auch die 2000 Menschen überzeugt sein, die mit ihrer Unterschrift fordern, dass endlich etwas passiert. „Wir, die Unterzeichneten, sind besorgte Bürger, die unsere politische Führung zum Handeln auffordern“, formulierten es Ariane Muhm-Kritzen und ihr Mann im Dezember. Beide kennen die Familie des getöteten Mädchens – Vennikel ist eben ein Dorf, in dem die Menschen zusammen stehen.

Vennikel, ein vergessener Stadtteil?

Für die Richterin hat es fast den Anschein, als sei Vennikel ein von der Politik vergessener Stadtteil: „Wir sind ganz schlecht angebunden.“ Radwege nach Moers? Fehlanzeige. Die Busanbindung sei auch nicht das Gelbe vom Ei – man komme besser nach Rumeln und Krefeld als in die eigene Innenstadt. Und einen ausreichend schnellen Internetzugang gebe es auch nicht – insgesamt gerade für Jugendliche sei dies keine schöne Situation.

Die Unterschriftenlisten lagen in Vennikel unter anderem in der Sparkasse und an der Tankstelle aus. „Viele Leute sind einfach nur hingegangen um zu unterschreiben, haben Gespräche gesucht“, berichtet Ariane Muhm-Kritzen. Das Schicksal der 15-jährigen Merle geht allen zu Herzen, weshalb nun der ganze Stadtteil auf die Barrikaden geht. Nicht nur für Radwege, sondern auch für Sicherheit an der Kaldenhausener Straße.