Moers: Sorge um Verwandte in Griechenland

Michael Wittmann, Geschäftsführer des Kios West-Reisebüros, bleibt optimistisch.
Michael Wittmann, Geschäftsführer des Kios West-Reisebüros, bleibt optimistisch.
Foto: Siegfried Wensierski

Moers..  Während in den Talkshows über den Verbleib Griechenlands im Euroraum diskutiert wird, sorgen sich die Menschen hier am Niederrhein sehr um ihre Verwandten in deren Heimat. So wie Zousi Thaele-Zourla, Lehrerin an einer Moerser Realschule.

„Alleinerziehende Mütter geben ihre Kinder in SOS-Kinderdörfer, weil sie sie nicht mehr ernähren können.“ Ihre Familie, so die Lehrerin, habe es etwas besser getroffen: Vier ihrer Cousins seien ausgewandert, nach Deutschland, Österreich und Norwegen. Zwei waren daheim in Griechenland selbstständige Handwerker, die keine Aufträge mehr bekamen. Jetzt schicken sie Geld in die Heimat.

Noch gibt es Lebensfreude

„Ich bin sehr engagiert im fairen Handel“, so Zousi Thaele-Zourla; es sei die blanke Ironie, dass sie nun ihre eigene Heimat zum Entwicklungsland werden sieht. Aber trotz allem gebe es in Griechenland noch Lebensfreude und Humor, niemand aus ihrer Familie sei depressiv geworden. Was ein großes Glück sei, denn auch immer mehr Ärzte würden Griechenland für immer verlassen.

Nach Moers kommt Andreas Roussos nur im Dezember, und zwar mit seiner Frau Jennifer – sie verkaufen seit 17 Jahren Weihnachtsbäume an der Hülsdonker Straße. Er berichtet von einer sehr aufgeheizten Stimmung. „Mein Cousin hat eine vierköpfige Familie, ist Auslieferungsfahrer und verdient 800 Eu­ro im Monat“, erzählt Roussos.

Der Cousin habe das ererbte kleine Haus aufgeben müssen, weil er die Steuernachzahlung nicht aufzubringen vermochte, und sei mit seiner Familie zu den Schwiegereltern in die Wohnung gezogen. Noch schlimmer habe es seine Patentante getroffen: Sein Vater habe erzählt, dass sich ihre Familie nur noch von einer Art Brei ernähre, weil sie sich andere Lebensmittel nicht mehr leisten könne.