Moers oder Neukirchen-Vluyn: Jede Stadt löscht allein

Lutz Reimann.
Lutz Reimann.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Eine interkommunale Zusammenarbeit ist nach gesetzlichen Vorgaben erlaubt und sogar vorgeschrieben, aber letztlich kein Ersatz für eigene Personalstärke

Neukirchen-Vluyn/Moers..  Die Neukirchen-Vluyner haben mit einer Facette ihres Brandschutzbedarfsplanes für Irritationen gesorgt. Die Idee, für dessen Fortschreibung womöglich auch in Teilen eine interkommunale Zusammenarbeit zu prüfen, hat auf Moerser Seite einige Beteiligte aufhorchen lassen.

So zeigte sich der Chef der Moerser Feuerwehrwehr, Christoph Rudolph, etwas überrascht darüber, dass er von den Überlegungen seiner Neukirchen-Vluyner Kollegen, im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit bei kritischen Einsätzen den Löschzug Kapellen der Freiwilligen Feuerwehr Moers zu alarmieren, aus der NRZ erfahren musste: „Ich war etwas überrascht, als ich das gelesen habe.“

Zweite Drehleiter

Auf Nachfrage der NRZ stellte Rudolph aber auch fest, dass er sich eine solche Zusammenarbeit vorstellen könne. Er sagt: „Seit vielen Jahren arbeiten wir mit der Feuerwehr Neukirchen-Vluyn zusammen.“ Ohnehin fährt die Moerser Feuerwehr die Rettungsdiensteinsätze in Neukirchen-Vluyn und sie unterstützt die Kameraden bei Bedarf mit einer Drehleiter, denn die Neukirchen-Vluyner besitzen nur eine.

Es gibt zwar offenbar nur wenige Objekte, für die man in Neukirchen-Vluyn zwei Drehleitern benötigt, aber zuweilen braucht man eben zwei. Bei Einsätzen am Vluyner Nordring habe man schon die Moerser Drehleiter mit angefordert, bestätigt Lutz Reimann, Chef der Freiwilligen Feuerwehr in Neukirchen-Vluyn. Allerdings möchte Reimann die Moerser Verwunderung ein wenig bremsen. „Es ist alles noch völlig offen“, betont der Leiter der Feuerwehr.

Sobald die Dinge konkreter würden, werde man natürlich mit dem Moerser Feuerwehrchef Christoph Rudolph sprechen, betont Lutz Reimann. Und weiter: „Wir werden uns jetzt nach und nach mit dem Plan beschäftigen.“ Es gebe nun eine Menge Hausarbeiten zu machen. Dabei ist die Idee, die Zusammenarbeit zu prüfen, offenkundig nur ein kleiner Baustein. „Das ist ein rein theoretisches Gedankenspiel, das erstmals in diesem Brandschutzbedarfsplan stattfindet“, erklärt Frank Grusen, Sprecher der Stadt Neukirchen-Vluyn.

Der Löschzug Niep ist personell quantitativ nicht so gut aufgestellt wie die anderen Züge. Daraus machen die Beteiligten kein Geheimnis. Es müsse primär darum gehen, für den besagten Löschzug um Personal zu werben, lautet die Botschaft aus dem Neukirchen-Vluyner Rathaus. Heißt: neue Ehrenamtler für die freiwillige Feuerwehr akquirieren, bestehendes Personal binden. Klare Ansage.

Denn eines ist auch deutlich geworden: Bei aller Überlegung über nachbarschaftliche Kooperationen im operativen Einsatz müssen die Einsatzzeiten zwingend im Blick behalten werden. Die Feuerwehr hat acht Minuten. Wie eine Überschneidung womöglich aussehen könnte, zeigt die obige Grafik, in der die Abdeckung des Neukirchen-Vluyner Stadtgebietes abgebildet ist sowie die Radien der Hauptwache in Moers-Hülsdonk und des Freiwilligen Löschzuges Kapellen.

Gute Signale

Allerdings scheint eine interkommunale Zusammenarbeit keine finale Lösung für eine mittelgroße kreisangehörige Stadt wie Neukirchen-Vluyn zu sein, wie eine Nachfrage bei der Bezirksregierung in Düsseldorf ergab. Laut Paragraf 25 des Feuerschutzhilfegesetzes sei eine überörtliche Hilfe in jedem Fall möglich, ja gar gesetzlich vorgeschrieben.

Allerdings sollte eine solche Hilfe nicht auf Dauer ausgelegt sein, so dass eine Kommune mit nicht ausreichendem Personal ihre Kapazitäten ausschließlich mit überörtlicher Hilfe aufrecht erhält, erklärt die Sprecherin der Bezirksregierung, Stephanie Klockhaus.

Somit muss auch Neukirchen-Vluyn weiter an der Personalwerbung arbeiten. Es gibt aber ja gute Signale aus Düsseldorf, dass die Ausnahmeregelung für eine Freiwillige Wehr fortgesetzt wird.