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Moers: Hilfe für Trauernde

23.01.2015 | 07:29 Uhr
Moers: Hilfe für Trauernde
Kurt ZimmermannFoto: Ulla Michels

Moers.   Kurt Zimmermann ist eine Größe im Moerser Karneval. Aber er kann auch leiser – als Trauerredner. Jetzt bietet er ehrenamtlich einen „Trauer-Treff“ an.

Eine ungewöhnliche Beschäftigung für den Ruhestand hat Kurt Zimmermann gewählt: Der 68-jährige Moerser ist als freier Beerdigungsredner unterwegs. Jetzt bietet der ehemalige Bänker auch einen „Trauer-Treff“ an, in dem er seine jahrelange Erfahrung mit der Trauer weitergeben und teilen möchte. Dies tut er ehrenamtlich. Warum? „Ich will einfach nur da sein.“

Dabei ist Zimmermann durchaus kein Kind von Traurigkeit. Er ist sogar ganz jeck. Vor sechs Jahren war er sogar Karnevalsprinz in Moers. Wie kommt man zu so einem ungewöhnlichen „Hobby“, wollten wir von ihm wissen? „Eigentlich per Zufall“, berichtet Zimmermann. Vor acht Jahren habe ihn ein Bekannter gebeten, bei der Beerdigung eines gemeinsamen Freundes ein paar Worte zu sprechen. Dies sei so gut angekommen, dass ihn der Bestatter anschließend gefragt habe, ob er das nicht öfter machen wolle. So habe alles angefangen. Inzwischen lässt er bis zu 120 Mal im Jahr in Trauerhallen und auf Friedhöfen mit einfühlsamen Worten Verstorbene noch einmal lebendig werden und verleiht der traurigen Situation die nötige Würde. Seine Klienten sind meist Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind und deshalb bei der Beerdigung auf kirchlichen Beistand verzichten müssen. Viele Gespräche, viele Erlebnisse, die der Moerser in dem „Trauer-Treff“ vermitteln möchte.

Keine Golfbälle ins Grab

Worauf es in diesem Metier vor allem ankomme, sei die Fähigkeit zuzuhören und die Persönlichkeit des oder der Verstorbenen entsprechend zu würdigen: „Dabei versuche ich, so weit wie möglich auf die Wünsche der Angehörigen einzugehen.“ Allerdings erlebe man auch „sehr kuriose Sachen“. So habe etwa der Sohn eines passionierten Golfspielers verlangt, bei der Beerdigung Golfbälle ins Grab zu schlagen. „So etwas geht natürlich gar nicht“, sagt Zimmermann. Die eigentliche Trauerarbeit beginne jedoch erst nach der Beerdigung: „Bis dahin stehen die meisten Menschen unter Schock. Sie fühlen sich einsam und verlassen, haben Angst und fragen sich, ‚Was passiert jetzt mit mir?’“ Da helfe auch die beste Trauerrede nicht. Und: „Weil der Tod in unserer Gesellschaft mehr denn je ein Tabuthema ist, wissen viele Menschen nicht, mit ihrer Trauer richtig umzugehen.“

Die Zeit heile zwar alle Wunden, doch dies könne zum Teil Jahre dauern. Viele versuchten, das schlimme Erlebnis zu verdrängen: „Doch das funktioniert nicht, man muss die Trauer zulassen und durchleben“, weiß er. Da könne schon jemand, der einfach nur zuhört, sehr hilfreich sein. Es gehe darum zu verstehen, dass Tod und Trauer etwas ganz Normales seien und zum Leben jedes Menschen gehören. Und es gehe darum zu begreifen, dass nichts mehr so ist, wie es vorher war und dass eine neue Lebensphase beginnen muss.

Mut machen

Die „Trauer-Treffs“ sollen eine regelmäßige Einrichtung werden. Dabei will er seine Erfahrungen im Umgang mit Trauernden in Einzelgesprächen oder in der Gruppe kostenlos zur Verfügung stellen: „Ich kann zwar niemandem die Trauer abnehmen, aber ich kann den Betroffenen helfen, ihre Gefühle zu verstehen und sie zu akzeptieren. Ich kann ihnen Mut machen, sich für einen neuen Lebensabschnitt zu öffnen“, erläutert er.

Wer am „Trauer-Treff“ interessiert ist, kann unter  02841/42433 oder  0172/2526982 gerne einen Gesprächstermin vereinbaren.

Reiner Becker

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2015-01-23 07:29
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