Moers: Gelungene Premiere für Christoph Fleischhauer

Der Bürgermeister.
Der Bürgermeister.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Der Neujahrsempfang der Stadt Moers war gut besucht wie selten zuvor - und der neue Bürgermeister erfüllte die Erwartungen. Klare Botschaft: Alle sind gleich.

Moers..  Sie kamen zu Hunderten, der Parkplatz am Enni-Sportpark war am Ende voll, wie es sonst nur Dieter Nuhr hinbekommt, wenn er Moers besucht. Alle wollten den Neuen reden hören beim Neujahrsempfang der Stadt Moers. Es wurde eine gelungene, sympathische, an manchen Stellen sicher verbesserungswürdige und zuweilen nachdenkliche Premiere für Bürgermeister Christoph Fleischhauer.

Und der verzichtete in der ihm eigenen Art schonmal darauf, einzelne Gäste hervorzuheben bei seiner Begrüßung. Kein Einschmeicheln bei Investoren, Firmenbossen oder Politikern. Die Botschaft: Ihr sind alle gleich wichtig. „Wir sollten alle füreinander da sein“, beschrieb Fleischhauer einen Wunsch und klang dabei fast schon ein wenig pastoral. Man muss das nicht mögen, aber es ist der Ton der Stunde.

Der neue, der Einzug hält in Rathausgängen und Fraktionszimmern. Langsam, aber stetig, denn dem neuen Mann im Chefsessel ist bewusst, dass diese Stadt die anstehenden Herausforderungen und Probleme nur im konstruktiven Miteinander bewältigen kann.

Das sei zuletzt bei der parteiübergreifenden Rettung der Verbraucherberatung oder der Seniorenbegegnungsstätten sowie dem Verbleib in der Euregio gelungen – und wünschenswert bei den nächsten vordringlichen Projekten. „Dazu zähle ich die Bebauung am Solimare mit Aktivbad und Eishalle, das Schlossumfeld, für das bereits 5,4 Millionen Euro Fördermittel zugesichert wurden, das Areal rund um den Kastellplatz, vielleicht den Platz auch selbst oder die Innenstadtentwicklung.“

Die Gründung von Immobilien-Standortegemeinschaften gehörten genauso dazu wie die Ansiedlung eines E-Centers an der Rheinberger Straße, die Entwicklung des Schachts 3 in Kapellen, wo ein großes Möbelhaus erwartet wird und, „not least“, wie Fleischhauer es ausdrückte, das Betreiberkonzept für die neue Festivalhalle. „Lassen Sie uns das gemeinsam vorantreiben und ehrlich miteinander umgehen.“

Überhaupt versuchte Fleischhauer, den Finger in die Wunden der Lobbyisten zu lesen. In einer wohltuenden Art indes, die schon damit begann, dass er seine Rede nicht vom Zettel ablas, auch das war neu.

„Wir können für Moers und damit für seine Bürgerinnen und Bürger viel erreichen, wenn wir unsere eigenen Eitelkeiten zurückstellen und keine einengende Etikette zulassen.“ Der respektvolle Umgang miteinander sei der Schlüssel zum Erfolg. Er dürfte damit den Stadtrat angesprochen haben, in dem es in den letzten Legislaturperioden nicht immer um das Wohl von Moers ging, sondern um Interessen von Gruppen und Einzelner, um blinde Blockaden. Damit solle Schluss sein, und wie beschrieben, der Wind hat sich schon hoffnungsvoll gedreht.

Fleischhauer verzichtete auf einen Diavortrag voller Eigenlob. Klar, er muss ja auch erst noch liefern. Aber der Bürgermeister stellte Menschen in den Vordergrund.

Die Idee, neben dem ghanaischen Trommelvirtuosen Emmanuel Kwabla Hoenyefia auf kleine Talkrunden zu setzen, machte sich bezahlt. Fleischhauer ist nicht der große Interviewer, aber gerade dadurch wirkte es authentisch, als er beispielsweise – begleitet durch einen Gebärdensprachendolmetscher – den Vorsitzenden des Allgemeinen Gehörlosenvereins Moers auf die Bühne holte. Der kramte dann eine Liste aus der Tasche, als Fleischhauer wissen wollte, was die Stadtverwaltung denn für die Gehörlosen in Moers verbessern könne. Und erntete eine Menge Lacher.

Humor war bei der Flüchtlingsfrage nicht angebracht. Fleischhauer setzte dieses Thema mit einem Zwiegespräch mit ehrenamtlichen Helfern wie zum Klara Menzel-Schmeer, die unter anderem Sprachunterricht beim Bunten Tisch gibt. Sie erzählte: „Derzeit kommen viele gut ausgebildete junge Männer, die uns erwartungsvoll anschauen und zu Dritt in einem Raum in Kinderzimmergröße leben müssen.“ Nicht neu, aber man kann es nicht oft genug erwähnen. Der Rat hat sich mit seiner Resolution für Humanität selbst eine Aufgabe gesetzt.

Nach gut einer Stunde hatte es der Neue dann geschafft und durfte zufrieden sein. Er formulierte mit dem Anspruch eines weltoffenen Moers einen persönlichen Wunsch: „Diese Ereignisse in Paris dürfen nicht zerstören, was wir uns hier aufgebaut haben. Verfallen Sie nicht in den Fehlglauben, dass diese Taten religiös motiviert sind. Das waren schlicht und einfach Terroristen.“ Da mochte ihm niemand widersprechen.