Moers feiert das Festival des großen Bestecks

Mikko Innanen 10 + beim Moers Festival.
Mikko Innanen 10 + beim Moers Festival.
Foto: Thorsten Lindekamp / FUNKE Foto Services
Mitunter wurde es eng auf der Bühne der Moerser Festivalhalle. Streicher ergänzten zahlreiche Big Bands.

Moers..  So viel Geige und Cello war nie: Die 44. Ausgabe des Moers Festivals war eine der großen Formationen, bei der die klassische Big Band gerne noch um einige Streicher erweitert wurde. Es war ein Festival der feinen Kompositionen und der klugen Arrangements. Es war eines der großartigen Konzertereignisse, die die Zuhörer fesselten. Reiner Michalke, der künstlerische Leiter, hat damit der Ära nach dem Zelt erneut einen deutlichen Stempel aufgedrückt: Ab jetzt geht es viel eher ums konzentrierte Hinhören, nicht um den legeren Umgang mit Musik. In deren Fokus waren diesmal die Saxophonisten.

Ein gewaltiger Schlusspunkt

Allen voran der Artist in Residence, Colin Stetson. Ein nicht nur technisch und musikalisch imponierendes Kraftpaket, das sich an seinem Instrument geradezu abarbeitet. Er setzte einen gewaltigen und umjubelten Schlusspunkt am Sonntagabend mit seiner Bearbeitung von Henryk Goreckis 3. Sinfonie, bei der es in drei Sätzen um den Tod geht. Die beinahe monumentalen Tiefen seines Bass-Saxofons und der Bassklarinette brachten die Tontechnik anfangs scheinbar um den Verstand. Aber als Stetsons Schwester Megan ihren klassisch ausgebildeten Mezzo-Sopran erhob, hätte sich mancher am liebsten in den feinen Anzug geworfen, so feierlich wurde es in der ehemaligen Tennishalle. Stehende Ovationen.

Die Frauen sind beim Moers Festival eindeutig auf dem Vormarsch. Die Französin Eve Risser legte mit ihrem „White Desert Orchestra“ und anspruchsvollen Kompositionen am Samstag einen umjubelten Auftritt hin. Ihre großartige Sängerin demonstrierte zunächst, was mit einer Stimme alles geht, bevor dann der eigens in der Region zusammengetrommelte 80-köpfige Projektchor von allen Seiten in den Saal einmarschierte und dem Publikum ein einzigartiges Hörerlebnis bescherte. Hut ab vor der Leistung, denn Eve Rissers Ideen haben den Sängern alles abverlangt.

Auch Sara Mac Donald hinterließ am Sonntag eine beeindruckende Visitenkarte. Die zierliche Amerikanerin führte ebenfalls eine große Besetzung, die Big Band der Hochschule in Köln. Sie machte es den Zuhörern beim Festival schön, fast zu schön für die echten Jazzer. Beinahe symphonisch waren ihre Arrangements, berührend, melancholisch und mit Anleihen beim Pop geradezu chartstauglich.

Eng auf der Bühne wurde es mit Mikko Innanen 10+. Wenn zwei Schlagzeuge und zwei Kontrabässe auf der Bühne sind, ist das schon mal ein Statement. Jetzt kommt was mit Wumms. Die fröhlichen Finnen sorgten für den Spaßfaktor bei den Big Bands. Sie spielten durchaus ganz brav sortierte Noten hintereinander, um dann zu zeigen: Viel mehr Spaß macht Jazz, wenn man richtig dazwischengrätscht, am liebsten, wenn grad niemand damit rechnet.

Ganz andere Musik erklang mit dem Ziad Rajab Trio. Der Oud-Spieler aus Syrien spielte Volksweisen, syrische Zuhörer machten Party dazu. Auch solche Ereignisse gehören zum Moers Festival.

Am Samstag gab es sogar richtig Old-School-Jazz. Leider hatte „The Baylor Project“ es trotz der Stimmgewalt von Jean Baylor am Ende eines langen Tages nicht leicht beim Publikum mit ihrer Mischung aus Gospel, Soul und Swing.

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