Moers erinnert sich an Hanns Dieter Hüsch

90.Hüsch-Geburtstag: „Und sie bewegt dich noch!“:  Jürgen Kessler (links), Holk Freytag und Irmgard Haub.
90.Hüsch-Geburtstag: „Und sie bewegt dich noch!“: Jürgen Kessler (links), Holk Freytag und Irmgard Haub.
Foto: Funke Foto-Services

Moers..  Autor Jürgen Kessler, Leiter des Deutschen Kabarettarchivs, hatte recht, als er vor dem Hüsch-Abend „Und sie bewegt dich noch!“ ankündigte, dies sei nicht unbedingt ein Programm für Hüsch-Nostalgiker. Der ehemalige Manager und Wegbegleiter des „schwarzen Schafs vom Niederrhein“ hat ein Bühnenstück geschrieben, „für Hanns Dieter Hüsch“, wie es im Untertitel heißt, das am Sonntag rund 300 Menschen in der Festivalhalle sehen wollten. Mit auf der Bühne war der ehemalige Schlosstheater-Intendant Holk Freytag, der in die Rolle des Kabarettisten schlüpfte. Begleitet wurde das Duo von Irmgard Haub als Sängerin und Johannes Reinig am Klavier.

Im ersten Teil des Abends plauderte Kessler, der sich selbst spielt, mit dem Freytag-Hüsch aus dem Nähkästchen. Erinnerungen, Anekdoten aus dem Leben zweier Reisender, die wohl mehr verbunden hat als nur der Beruf: Es ging von „Sodbrennen im Kempinksi“ bis zum Bühnenabschied des großen Kabarettisten, unterbrochen von bekannten Lieder wie „Ich möcht ein Clown sein“. Bemerkenswert: Kessler spricht gerne von „unserem Bühnenjubiläum“.

Im zweiten Teil – „Traktat“ überschrieben – hat sich Kessler vorgenommen, zu zeigen, welche Themen heute Hüsch so beschäftigen könnten, Angela Merkel, zurückgetretene Bundespräsidenten, Geschäftemachereien. Es gab in diesem Bericht zur desolaten Lage der Nation durchaus heitere Momente, aber mehr Weltuntergang statt Gelassenheit, Bitternis statt Freundlichkeit. Es gehört eine gehörige Portion Selbstbewusstsein dazu, sich eine Kabarett-Ikone wie Hüsch zu eigen machen zu wollen. Die Zuschauer dieses Abends wissen nun sicher die Feinheit und Poesie der Sprache des Originals um so mehr zu schätzen.