Moers: Ein Ton wie Samt und Seide

Der Improviser in Residence, Hayden Chisholm (Saxofon) Philip Zoubek im Studio des Schlosstheaters.
Der Improviser in Residence, Hayden Chisholm (Saxofon) Philip Zoubek im Studio des Schlosstheaters.
Foto: FUNKE Foto Services

Moers..  Der Improviser in Residence, Hayden Chisholm, fühlt sich in Moers offenbar schon zu Hause: Jedenfalls gab es den Saxophonisten am Montag im voll besetzten Studio des Schlosstheaters „on the socks“: Seine Schuhe standen ordentlich am Rand. Auf dem Programm stand im ersten Teil dieses beeindruckenden Konzerts Musik von George Gurdjieff, einem griechisch-armenischen Esoteriker oder auch Mystiker, der viel im zentralasiatischen Raum unterwegs war. „Nicht ganz werktreu“ allerdings, wie Chisholm ankündigte. Und so nahm der Saxophonist mit dem Ton wie Samt und Seide seine Zuhörer mit auf eine Reise erster Klasse um die halbe Welt, zum Altai-Gebirge, nach Syrien, tanzte mit ihnen nach Tibet und Isfahan, und schließlich ging es zu türkischen Schäfern, wo er musikalisch augenzwinkernd „Muh“ auf „Mäh“ treffen ließ. Mit seinem außergewöhnlichen Oberton-Gesang ging es fast noch nach Neuseeland, der Heimat des Ausnahmemusikers mit den vielen Talenten: Ähnlichkeit mit dem Digeridoo war gegeben.

Einfühlsam und harmonisch begleitet wurde er am Flügel vom Pianisten Philip Zoubek, der sein Instrument so manipuliert hatte, dass er auch für unsere Ohren exotische Klänge erzeugen konnte.

Schon der erste Teil verlangte dem Publikum einzelne Bravo-Rufe ab. Im zweiten Teil, als es an James Joyce und sein schwer verständliches Buch „Finnegans Wake“ ging, begeisterte das Duo alle. Mit „Schwer-Metall“ aus einem halben Werkzeugkasten verzerrte Zoubek fast jede Harmonie, Chisholm las, nein, er sang den surrealen Joyce-Text, der so komische Worte wie bababadalgharaghtakamminarronnkonnbronntonnerronntuonnthuuntrovarrhounawnskawntoohoohoordenenthurnuk enthält, mit sonorer Stimme. Was da geredet wurde, war wurscht, denn die Sprachmelodie bediente direkt die Emotionen. Da hätte es beinahe genauso gut das Telefonbuch sein können. Wenn es Hayden Chisholm vorträgt.