Möbelhaus: Da gehen wir ran

Interview mit Bürgermeister Christoph Fleischhauer in Moers. Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services
Interview mit Bürgermeister Christoph Fleischhauer in Moers. Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services
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Herr Bürgermeister, der Investor André Kleinpoppen will auf dem Schacht-III-Gelände in Kapellen ein Riesenkaufhaus mit mehr als 40 000 Quadratmeter Verkaufsfläche bauen. Braucht Moers das?

Ja. Es geht um eine Investition in zweistelliger Millionenhöhe. Diese Summe gibt ein Unternehmer nur aus, wenn er überzeugt ist, dass er an dieser Stelle Geld verdient, und das ist ja nichts Verwerfliches. Es gibt also einen Markt für Moers. Außerdem befindet sich das Grundstück nicht im Eigentum der Stadt, sondern der RAG Montan Immobilien. Und die haben klar geäußert, dass sie sich einig sind mit Herrn Kleinpoppen, gemeinsam diese Entwicklung anzugehen. Da sage ich: Da gehen wir ran. Wir werden prüfen, ob ein Möbelhaus dieser Größe an der Stelle geht oder nicht.

Es gibt Bedenken...

Die sind auch legitim. Man muss am Ende abwägen, ob ja oder nein, das entscheidet dann der Rat. Insgesamt sehe ich als Bürgermeister deutlich die positiven Auswirkungen für Moers.

Was ist denn so positiv?

Erstens ist die Fläche, um die es geht, sehr groß. Wir können natürlich versuchen, sie kleinteilig als Gewerbegebiet zu vermarkten, aber wir sehen in Genend, wie schwierig das ist. Jetzt kommt ein Investor, der alles beplanen will. Zweitens würde dann in Moers Geld ausgegeben und nicht in einer anderen Stadt.

André Kleinpoppen hat auf die NRZ-Frage, ob das Möbelhaus Gewerbesteuer in Moers zahlen wird, geantwortet: „Definitiv ja.“

Das ist natürlich sehr erfreulich, vor allem mit Blick auf den Moerser Haushalt. Wir brauchen mehr Einnahmen. Positiv ist auch, dass rund 350 neue Arbeitsplätze entstehen, je zur Hälfte Voll- und Teilzeit. Wir müssen uns doch mal fragen, was eigentlich passiert, wenn dieses Möbelhaus nicht in Moers gebaut wird. Die Antwort lautet: Es wird in einer anderen Stadt in der Nähe gebaut, in Duisburg oder Krefeld. Dann haben wir keinen von den genannten Vorteilen, und wir haben keinen Einfluss. Viertens bekommen wir eine Angebotserweiterung und fünftens wird Moers eine gesteigerte Wahrnehmung erfahren. Zudem bin ich sicher, dass es Kapellen stärken wird.

Nun gibt es ein Einzelhandelskonzept für die Stadt, das noch gar nicht alt ist. Danach braucht Moers keine zusätzlichen Einzelhandelsflächen. Also weichen wir von diesem Konzept ab.

Wenn es konkret um das Thema „Möbelhaus“ geht, nein! Das Einzelhandelskonzept weist nach der Schließung von Knuffmann bereits 2011 eine unterdurchschnittliche Handelszentralität und hohe Kaufkraftabflüsse in diesem Segment aus. Seitdem haben weitere Anbieter wie Kleier oder Huppers geschlossen, Schaffrath bietet nur noch Küchen an. Auf einer Landkarte mit Möbeln findet Moers fast nicht statt. Bei einer Ansiedlung eines neuen Möbelhauses wird die Verkaufsfläche mit zentrenrelevanten Sortimenten auf 2500 qm begrenzt. Damit ist sicher gestellt, dass die Ansiedlung nicht auf Kosten der Innenstadt geht. Diese muss attraktiv bleiben, bzw. attraktiver werden. Das ist aber auch Aufgabe des Einzelhandels selbst und der Hauseigentümer, die bei den Ladenmieten nicht überziehen dürfen.

Aber gerade in dieser Hinsicht sieht der Einzelhandel die Ansiedlung mit Blick auf die Innenstadt kritisch.

Aus meiner Sicht zu Unrecht. Wie soll das Möbelhaus beispielsweise mit einem Angebot an Haushaltswaren der Innenstadt schaden? Obwohl wir kein Möbelhaus haben, kann man nicht gerade behaupten, dass in den letzten Jahren Haushaltswarengeschäfte in der Innenstadt wie Pilze aus dem Boden geschossen wären. Der Investor soll im Nebensortiment in erster Linie Waren anbieten, die dem bestehenden Einzelhandel in der City nichts wegnehmen. Und dies übrigens auf einer relativ kleinen Verkaufsfläche von bis zu 2500 Quadratmetern (Dies entspricht etwa der Fläche des Textilhändlers H&M an der Sterinstraße, Anm. d. Red.).

Dem Einzelhandelsverband wären 350 bis 400 Quadratmeter wie im Regionalpark Stuttgart lieber.

Wenn es nur eine Region mit einem solchen Vorhaben gibt, scheint dies nicht zwangsläufig erfolgversprechend zu sein. In den meisten Fällen ist die Fläche deutlich größer. Im Übrigen hat der Investor zugesichert, Nebensortimente im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zu etablieren, also bis zu 2500 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Ein Frage zum Standort: Eine Alternative zu Kapellen hätte es an der Verbandstraße in Repelen gegeben. Das läge deutlich näher an der Innenstadt.

Planungsrechtlich ist die Nähe zu Duisburg problematisch. Der Investor sagt außerdem ganz klar: Wir wollen auf das Schacht III-Gelände.

Manche Menschen in Kapellen fürchten, dass die Verkehrsbelastung wachsen wird.

Nun werden ja längst nicht alle Kunden aus Richtung Krefelder Straße kommen, sondern vor allem von der A 57 und der Abfahrt Kapellen. Abgesehen davon, muss eine solche Ansiedlung ein Dutzend Gutachten durchlaufen, bevor sie genehmigungsfähig wird. Dazu gehören natürlich auch Gutachten zum Verkehr und zum Lärmschutz. Im Übrigen wird in dem ganzen Prozess die Bevölkerung beteiligt. Aber ja: Am Ende wird es mehr Autos in Kapellen geben, allerdings wollen wir doch auch Belebung. Ich kann nicht nach dem Motto handeln: Wasch mir den Pelz, aber mach’ mich nicht nass. Die Vor- und Nachteile abzuwägen, ist Sache von Politik und Verwaltung, und wir müssen dann auch den Bürgern ehrlich sagen, was sich ändert.

Ein kritischer Punkt: Der Investor will den Betreiber des Möbelhauses noch nicht nennen. Das fördert Misstrauen.

Ja, zugegeben: Das ist kritisch. Ich würde den Namen auch gerne wissen. Es wäre wünschenswert. Andererseits: Wenn ich ehrlich bin, will ich den Namen wissen, weil ich ein neugieriger Mensch bin. Weiterbringen würde es mich oder uns alle nicht. Wenn wir den Namen wüssten, würde sich in der Sache nichts ändern, es würde auch am weiteren Verfahren nichts ändern. Insofern ist das kein entscheidendes Kriterium.

Apropos Verfahren: Wie geht es jetzt weiter?

Wir stehen ganz am Anfang. Im Flächennutzungsplan ist das Schacht-III-Gelände noch als Industriefläche mit der Zweckbestimmung Bergbau ausgewiesen. Das muss geändert werden, und hier sind verschiedene Planverfahren notwendig. Diese können nur in vorheriger Abstimmung mit dem Regionalverband Ruhr erfolgen. Auch hierzu müssen außerdem noch verschiedene Gutachten in Auftrag gegeben werden.

André Kleinpoppen hofft darauf, Anfang 2018 das Möbelhaus eröffnen zu können. Was sagen Sie?

Wie gesagt, wir sind am Anfang. Zum Zeitpunkt der Eröffnung kann ich belastbar heute keine Prognose abgeben.